„Ohne verbindliche Investitionsverpflichtungen für Streamer und Sender droht die Vielfalt im deutschen Film weiter zu schrumpfen.“

Michael Smeaton ist CEO der Produktionsfirma FFP New Media, die seit den 1980er-Jahren Fernseh- und Kinoprojekte realisiert und damit einen festen Platz in der nationalen Film- und Fernsehlandschaft innehat. In unserer Interviewreihe zur Lage der deutschen Filmindustrie, die wir im Rahmen unseres LinkedIn-Newsletters “Mediengespräche” veröffentlichen, spricht er über die aktuelle Situation der Branche und darüber, welche Rahmenbedingungen es für eine zukunftsfähige und vielfältige Filmkultur braucht.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der deutschen Filmindustrie ein – insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Reformen im Filmförderungsgesetz?

Die Lage ist angespannt. Trotz der Reformen im Filmförderungsgesetz bleiben die Finanzierungslücken groß. Produktionskosten steigen, während Budgets stagnieren. Ohne verbindliche Investitionsverpflichtungen für Streamer und Sender droht die Vielfalt im deutschen Film weiter zu schrumpfen. Internationale Plattformen investieren zwar selektiv, aber oft mit großen Produktionshäusern, was für unabhängige Produzenten problematisch ist.

Inwiefern wirken sich die Reformen, insbesondere das neue Filmförderungsgesetz und die Diskussion um eine Investitionsverpflichtung, bereits konkret auf Ihren Produktionsalltag aus?

Das neue Filmförderungsgesetz bringt zwar mehr Transparenz und eine stärkere Fokussierung auf kulturelle Vielfalt, aber die Umsetzung ist komplex. Die Diskussion um Investitionsverpflichtungen sorgt für Unsicherheit. Viele Projekte hängen aktuell in der Schwebe, weil Sender ihre Budgets zurückhalten, bis klare Vorgaben existieren.

Welche Rahmenbedingungen wären aus Ihrer Sicht notwendig, um künftig mehr vielfältige, risikoreiche oder gesellschaftlich relevante Projekte realisieren zu können – und was würde der Branche insgesamt am meisten helfen?

Aus meiner Sicht sind dafür folgende Rahmenbedingungen notwendig:

  • Verbindliche Investitionsquoten für Streamer und Sender, ähnlich wie in Frankreich oder Italien.
  • Förderung des deutschen Kinderfilms, das erfolgreichste Genre im Kino, der deutsche Kinderfilm kann zukünftig kaum mehr finanziert werden, da TV Sender kein Interesse an den entsprechenden TV Rechten haben. 
  • Stärkere Koproduktionsanreize, um internationale Partner leichter einzubinden.
  • Planungssicherheit durch klare gesetzliche Vorgaben, damit Produzenten nicht monatelang auf Entscheidungen warten.

Unser Gesprächspartner

Michael Smeaton ist ein deutscher Film- und Fernsehproduzent und Geschäftsführer der Produktionsfirma FFP New Media GmbH, die er 1980 gegründet hat und die Fernsehfilme, Serien, Dokumentationen und Kinofilme realisiert und ihren Sitz heute in Köln hat. Unter seiner Leitung produziert FFP New Media regelmäßig TV-Filme und Reihen, darunter zahlreiche Verfilmungen der Rosamunde Pilcher-Romane für das ZDF sowie weitere fiktionale Produktionen.

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