Skip to content Skip to footer

Konstruktionen europäischer Identität

Eine Analyse der Berichterstattung über die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei 1959 bis 2004

49,00 

Zusätzliche Information

Größe 14,2 × 21,3 cm
Artikelnummer(n)

9783869622798, 9783869622804

Veröffentlicht

25.01.2018

Formate

Buch, PDF

Verlag

Herbert von Halem Verlag

Seiten

680

Reihe

Öffentlichkeit und Geschichte (TX628)

Gerade in Krisenzeiten der europäischen Integration stellt sich die Frage nach den Gemeinsamkeiten der Europäer, nach dem was die Gemeinschaft charakterisiert, zusammenhält und von anderen unterscheidet. Bis heute gibt es jedoch keine eindeutige Definition dessen, was ‚europäisch sein’ eigentlich heißt. Auch wenn der Begriff häufig an die Lage auf einem europäischen Kontinent geknüpft wird, so ist die geografische Raumdefinition von Europa doch höchst uneindeutig.

Die Autorin zeichnet die unterschiedlichen Konstruktionen einer europäischen Identität im deutschen Diskurs über einen möglichen Beitritt der Türkei ab den ersten türkischen Assoziationsbemühungen Ende der 1950er-Jahre nach. Sie zeigt, dass sich die Vorstellungen der Gemeinschaft und die ihr zugehörige Raumkonstruktion von 1959 bis 2004 stark verändert und ausdifferenziert haben. Neben der eher abstrakten Deutung der EU als einer politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaft, beinhaltet ihre Definition in den jüngeren Untersuchungsjahren auch die einer Wertegemeinschaft und einer Person. Die zunehmende Personifizierung und der verstärkte Bezug auf eine Wertegemeinschaft werden als Ausdruck einer intensivierten Selbstverständigungsdebatte interpretiert.

Julia Lönnendonker, Dr., geb. 1977, ist Postdoc am Institut für Kommunikationswissenschaft der Vrije Universiteit Brussel (VUB). Während ihrer Promotionsphase war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik der TU Dortmund und am Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus. Sie hat Journalismus am Emerson College in Boston und Geografie an den Universitäten in Bonn und Aachen studiert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind (international vergleichende) Journalismusforschung, Auslandskorrespondenz, EU-Berichterstattung und europäische Öffentlichkeit und Identität.
Sachgruppen: Politik
Schlagwörter: EU, EU-Beitritt, EWG, Türkei, Identität, EG

Vorwort

1. Einleitung

2. Europa und die Türkei : Die Türkei als das ›Andere‹ Europas?
2.1 Identität der europäischen Gemeinschaft
2.2 Die Türkei als das ›Andere‹ Europas
2.2.1 Wegfall anderer Feindbilder durch das Ende des Kalten Krieges
2.2.2 Unklare Definition Europas selbst: Türkei wird zum Präzedenzfall einer europäischen Selbstdefinition
2.2.3 Das Erstarken des allgemeinen Feindbilds ›Islam‹ nach dem 11. September 2001
2.2.4 Der Umgang mit Immigranten in der eigenen Gesellschaft
2.3 Der türkische Weg nach Europa
2.4 Die deutsch-türkischen Beziehungen
2.4.1 Bündnis- und sicherheitspolitische sowie europapolitische Interessen
2.4.2 Innen- und ausländerpolitische Interessen
2.4.3 Innenpolitische Gegebenheiten in der Türkei

3. Öffentlichkeit als konstitutives Element demokratischer Gesellschaften
3.1 Historische Entwicklung des Begriffs
3.2 Strukturelle Definition von Öffentlichkeit
3.3 Medial vermittelte öffentliche Meinungsbildung
3.4 Öffentlichkeit in den verschiedenen normativen demokratietheoretischen Modellen
3.4.1 Öffentlichkeit in liberalen Demokratiemodellen
3.4.2 Öffentlichkeit in republikanischkommunitaristischen Demokratiemodellen
3.4.3 Öffentlichkeit in deliberativen Demokratiemodellen
3.4.4 Zusammenfassende Gegenüberstellung der Öffentlichkeitsverständnisse in den drei Demokratietheorien
3.5 Europäische Öffentlichkeit
3.5.1 Europäische Öffentlichkeit in der Tradition liberaler Demokratiemodelle
3.5.2 Europäische Öffentlichkeit in der Tradition republikanisch-kommunitaristischer Demokratiemodelle
3.5.3 Europäische Öffentlichkeit in der Tradition deliberativer Demokratiemodelle

4. Die Funktion der Medien in der Demokratie
4.1 Mediensystem in Deutschland
4.2 Medienöffentlichkeit
4.2.1 Medien und Journalismus in liberalen Demokratiemodellen
4.2.2 Medien und Journalismus in republikanischkommunitaristischen Demokratiemodellen
4.2.3 Medien und Journalismus in deliberativen Demokratiemodellen

5. Europäische Identität
5.1 Kollektive Identität
5.2 Europäische Identität als Legitimationsgrundlage der EU
5.3 Definition europäischer Identität
5.3.1 Europäische Identität als Zugehörigkeitsgefühl oder als Identität des Kollektivs
5.3.2 Europäische Identität als Konstrukt
5.3.3 Europäische Identität als Gegenentwurf zum Orient
5.3.4 Europäische Identität als eine von mehreren sozialen Identitäten
5.3.5 Europäische Identität benötigt Öffentlichkeit
5.3.6 Zusammenfassende Elemente einer Arbeitsdefinition europäischer Identität
5.4 Bisherige empirische Forschung zur europäischen Identität mit Schwerpunkt auf der Abgrenzung zur Türkei
5.5 Europäische Identität in den drei Demokratiemodellen
5.5.1 Identität in liberalen Demokratiemodellen
5.5.2 Identität in republikanisch-kommunitaristischen Demokratiemodellen
5.5.3 Identität in deliberativen Demokratiemodellen

6. Methodisches Vorgehen
6.1 Diskursive Identitätsrekonstruktion im interpretativen Paradigma
6.1.1 Diskursbegriff
6.1.2 Öffentlicher Diskurs
6.1.3 Die Rolle der Akteure
6.1.4 Die Strukturierung von Diskursen
6.1.5 Von der Diskurstheorie zur Diskursanalyse: methodische Zugänge
6.2 Wissenssoziologische Diskursanalyse als Forschungsprogramm
6.3 Inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
6.4 Metaphernanalyse
6.4.1 Metapherndefinition
6.4.2 Metapherntheorien
6.4.3 Diskursive Metaphernanalyse
6.4.4 Bisherige Metaphernanalysen in der sozialwissenschaftlichen Forschung
6.4.5 Metaphernanalyse als Forschungsmethode
6.4.6 Ableitung eines Metapherninventars zur metaphorischen Darstellung der EU
6.5 Analyse der Deutungsmuster und Diskurskoalitionen
6.5.1 Heuristische Deutungsmusteranalyse
6.5.2 Multiple Korrespondenzanalyse und Clusterverfahren zur statistischen Bestimmung von Deutungsmustern und Diskurskoalitionen 275
6.6 Gütekriterien der qualitativen Forschung
6.7 Kurz-Definitionen der verwendeten methodischen Grundbegriffe
6.8 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes
6.8.1 Räumliche Eingrenzung
6.8.2 Zeitliche Eingrenzung
6.8.3 Eingrenzung von Quellen
6.9 Kurzpräsentationen der im Sample vertretenen Tageszeitungen
6.9.1 Süddeutsche Zeitung
6.9.2 Frankfurter Allgemeine Zeitung
6.9.3 Die Welt
6.9.4 Frankfurter Rundschau
6.9.5 die tageszeitung
6.9.6 Westdeutsche Allgemeine Zeitung
6.9.7 Bild-Zeitung
6.10 Korpuszusammenstellung
6.11 Forschungsfragen und praktisches Vorgehen
6.11.1 Kontextanalyse
6.11.2 Inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
6.11.3 Metaphernanalyse
6.11.4 Deutungsmusteranalyse: multiple Korrespondenzanalyse und Clustering
6.11.5 Vergleich der theoretischen Identitätsmodelle mit den empirisch erhobenen Identitätskonstrukten

7. Ergebnisse
7.1 Untersuchungszeitraum 1959
7.1.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse 1959
7.1.2 Ergebnisse der Metaphernanalyse 1959
7.1.3 Zusammenfassung und Interpretation 1959
7.2 Untersuchungszeitraum 1963
7.2.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse 1963
7.2.2 Ergebnisse der Metaphernanalyse 1963
7.2.3 Zusammenfassung und Interpretation 1963
7.3 Untersuchungszeitraum 1987
7.3.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse 1987
7.3.2 Ergebnisse der Metaphernanalyse 1987
7.3.3 Zusammenfassung und Interpretation 1987
7.4 Untersuchungszeitraum 1999
7.4.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse 1999
7.4.2 Ergebnisse der Metaphernanalyse 1999
7.4.3 Zusammenfassung und Interpretation 1999
7.5 Untersuchungszeitraum 2004
7.5.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse 2004
7.5.2 Ergebnisse der Metaphernanalyse 2004
7.5.3 Interpretation und Zusammenfassung 2004
7.6 Dominante Deutungsmuster europäischer Identität im Verlauf der Zeit
7.7 Statistisch ermittelte Deutungsmuster und Diskurskoalitionen
7.7.1 Ergebnisse für den Untersuchungszeitraum im Jahr 1987
7.7.2 Ergebnisse für den Untersuchungszeitraum im Jahr 1999
7.7.3 Ergebnisse für den Untersuchungszeitraum im Jahr 2004
7.7.4 Zusammenfassung Deutungsmuster und Diskurskoalitionen von 1987 bis 2004
7.8 Einordnung der verschiedenen Typen europäischer Identitätsdefinitionen in die unterschiedlichen europäischen Demokratiemodelle

8. Resümee und Ausblick

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

Über die Reihe
Öffentlichkeit und Geschichte
»Übrigens ist mir alles verhaßt, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben.« Mit diesem Goethe-Wort beginnt Nietzsche seine unzeitgemäße Betrachtung Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. Auch für Medien und ihr Publikum sollte Geschichte kein Bildungsballast sein, sondern etwas Belebendes. Deshalb…