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Nachrichtenqualität als journalistischer Prozess

Demokratietheoretisch fundierte Performanz zwischen Wollen, Sollen und Können

42,00 

Zusätzliche Information

Größe 14,2 × 21,3 cm
Artikelnummer(n)

9783869626628, 9783869626611

Veröffentlicht

22.05.2024

Auflage

1. Aufl.

Formate

Buch, PDF

DOI

10.1453/OA_2024_9783869626611

Verlag

Herbert von Halem Verlag

Seiten

464

Downloads: Cover

Was sollte Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft leisten? Wie lässt sich diese Leistung im Sinne wünschenswerter Nachrichtenqualität messbar machen? Und welche Faktoren im Prozess journalistischer Nachrichtenproduktion prägen die Qualität der Berichterstattung?

Diesen Fragen widmet sich die vorliegende Studie. Sie untersucht, welche Anforderungen an Journalismus aus Perspektive einer repräsentativen, deliberativen und partizipatorischen Auffassung von Demokratie zu stellen sind, und schlägt eine demokratietheoretisch fundierte Konzeptualisierung von Nachrichtenqualität vor. Diese beinhaltet einerseits professionelle Standards der Berichterstattung – das Wie der journalistischen Vermittlung von Inhalten – und andererseits spezifische Vorstellungen von Akteur:innen-Vielfalt – das Wer hinter den Stimmen, die in der Berichterstattung zu Wort kommen.

Um zu verstehen, welche Einflüsse wie auf Nachrichtenqualität wirken, entwirft die Studie einen sozialintegrativen Theorierahmen, der Journalist:innen als Handelnde mit den Strukturen verschränkt, innerhalb derer sie operieren. Es wird skizziert, wie teilsystematische Orientierungen im Journalismus, normative Erwartungen an Journalismus und spezifische Interaktionen von Journalist:innen mit ihren internen und externen Bezugsgruppen im Prozess der Nachrichtenproduktion zusammenwirken und verhandelt werden – und so Nachrichtenqualität entscheidend mitbestimmen.

Empirisch stützt sich die Studie auf ein dreiteiliges Mixed-Methods-Design. Sie kombiniert eine quantitative Inhaltsanalyse politischer Berichterstattung aus Österreich, eine nachgelagerte quantitative Befragung der Journalist:innen, welche die Nachrichtenbeiträge verfasst haben, sowie retrospektive Rekonstruktionen ausgewählter Beiträge zusammen mit ihren jeweiligen Verfasser:innen. So kann die Qualität der Berichterstattung in einen unmittelbaren Konnex mit der Realität journalistischer Nachrichtenproduktion gestellt werden. Die Ergebnisse lassen Nachrichtenqualität als multidirektional komplexes Phänomen erscheinen, das sich einfachen Kausalitäten entzieht. Journalistische Kultur erscheint dabei als Schlüssel für die Sicherung eines hochqualitativen Journalismus.

Auch normative Erwartungen können die Qualität der Berichterstattung positiv mitbestimmen, wenn sie an aktive Aushandlungsprozesse mit Bezugsgruppen rückgebunden sind. Zwar weist der österreichische Journalismus eine relative Resilienz gegenüber dem direkten Einfluss von politischen Akteur:innen auf – sie können aber mittelbar auf inhaltsprägende Strukturen einwirken. Schließlich belegt die Studie, dass die Vielfalt der Perspektiven in journalistischen Diskursen entscheidend von der Autonomie abhängt, die Journalist:innen zur Verfügung steht.

Andreas A. Riedl, Jg. 1992, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sein Bakkalaureats- und Magisterstudium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft absolvierte er an der Universität Wien. Von 2018 bis 2023 promovierte er am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen (digitalen) Journalismus und Demokratie, politischen Journalismus, Medienqualität und (Gender-)Vielfalt.

1. Einleitung
2. Demokratietheoretische Neubewertung journalistischer Nachrichtenqualität
2.1 Professionelle Standards der Berichterstattung
2.1.1 Unparteilichkeit als Maßstab im repräsentativen Demokratiemodell
2.1.2 Diskursivität als Maßstab im deliberativen Demokratiemodell
2.1.3 Konstruktive Emotionalität als Maßstab im partizipatorischen Demokratiemodell
2.2 Vielfalt medialer Repräsentation als normativer Maßstab
2.2.1 Mediale Repräsentation von parteipolitischen Akteur:innen
2.2.2 Mediale Repräsentation von Akteur:innen der Zivilgesellschaft
2.2.3 Mediale Repräsentation von Bürger:innen und Marginalisierten
2.3 Zwischenfazit: Nachrichtenqualität als Ausdruck differenzierter demokratiefördernder Potenziale
3. Nachrichtenqualität als journalistischer Prozess
3.1 Analytische Ebenen zur Erklärung journalistischer Medienhalte
3.2 Nachrichtenqualität zwischen Strukturen und Handlungsmacht
3.2.1 Teilsystemische Orientierungshorizonte: das ›Wollen‹ hinter Nachrichtenqualität
3.2.2 Institutionelle Ordnungen: das ›Sollen‹ hinter Nachrichtenqualität
3.2.3 Konstellationsstrukturen: das ›Können‹ hinter Nachrichtenqualität
3.3 Zwischenfazit: Nachrichtenqualität als Ergebnis handelnden Zusammenwirkens im Journalismus
4. Potenziale für Nachrichtenqualität in Österreich
4.1 Deutungsstrukturen österreichischer Journalist:innen
4.2 Erwartungsstrukturen an Journalismus in Österreich
4.3 Konstellationsstrukturen im österreichischen Journalismus und seinen Bezugssystemen
4.4 Zwischenfazit: Nachrichtenqualität in Abhängigkeit spezifischer Potenziale in Österreich
5. Forschungsfragen
6. Studienanlage
6.1 Quantitative Inhaltsanalyse: Nachrichtenqualität messen
6.1.1 Sampling und Codierung
6.1.2 Operationalisierung
6.1.3 Intercoderreliabilität
6.2 Quantitative Befragung: Nachrichtenqualität erklären
6.2.1 Sampling und Datenerhebung
6.2.2 Operationalisierung
6.2.3 Charakterisierung des Befragungssamples
6.2.4 Datenfusion
6.3 Qualitative Rekonstruktionen: Nachrichtenqualität verstehen
6.3.1 Methode der retrospektiven Rekonstruktion
6.3.2 Sampling und Datenerhebung
6.3.3 Leitfaden
6.4 Analysestrategie zur Beantwortung der Forschungsfragen
6.4.1 Quantitative Auswertungsstrategie
6.4.2 Qualitative Auswertungsstrategie
7. Journalistische Aushandlung professioneller Standards der Berichterstattung
7.1 Unparteilichkeit
7.1.1 Unparteilichkeit journalistischer Berichterstattung
7.1.2 Aushandlung von Unparteilichkeit entlang von Deutungsstrukturen
7.1.3 Aushandlung von Unparteilichkeit entlang von Erwartungsstrukturen
7.1.4 Aushandlung von Unparteilichkeit in Konstellationsstrukturen
7.1.5 Zwischenfazit: Relative journalistische Resilienz bei anhaltender Verschiebung kulturell-professioneller Grenzen
7.2 Diskursivität
7.2.1 Diskursivität journalistischer Berichterstattung
7.2.2 Aushandlung von Diskursivität entlang von Deutungsstrukturen
7.2.3 Aushandlung von Diskursivität entlang von Erwartungsstrukturen
7.2.4 Aushandlung von Diskursivität in Konstellationsstrukturen
7.2.5 Zwischenfazit: Streben nach diskursiver Einordnung trotz ambivalenter Publikumsrolle und empfundener Ressourcenknappheit
7.3 Konstruktive Emotionalität
7.3.1 Konstruktive Emotionalität journalistischer Berichterstattung
7.3.2 Aushandlung von konstruktiver Emotionalität entlang von Deutungsstrukturen
7.3.3 Aushandlung von konstruktiver Emotionalität entlang von Erwartungsstrukturen
7.3.4 Aushandlung von konstruktiver Emotionalität in Konstellationsstrukturen
7.3.5 Zwischenfazit: Absage an partizipatorische Potenziale unter dem Primat der Aufmerksamkeitsökonomie
8. Journalistische Aushandlung der medialen Repräsentation von Akteur:innen
8.1 Parteipolitische Akteur:innen
8.1.1 Mediale Repräsentation von parteipolitischen Akteur:innen
8.1.2 Aushandlung der medialen Repräsentation von parteipolitischen Akteur:innen
8.2 Akteur:innen der Zivilgesellschaft
8.2.1 Mediale Repräsentation von Akteur:innen der Zivilgesellschaft
8.2.2 Aushandlung der medialen Repräsentation von Akteur:innen der Zivilgesellschaft
8.3 Bürger:innen und Marginalisierte
8.3.1 Mediale Repräsentation von Bürger:innen und Marginalisierten
8.3.2 Aushandlung der medialen Repräsentation von Bürger:innen und Marginalisierten
8.4 Zwischenfazit: hegemoniale Hierarchie politischer Quellen zulasten weniger institutionalisierter Akteur:innen
9. Conclusio: Nachrichtenqualität als Herausforderung für Journalismus, Politik und Gesellschaft
9.1 Fazit
9.2 Limitationen
9.3 Ausblick
Quellen

Anhang
Der Anhang wurde online veröffentlicht und kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:
https://doi.org/10.1453/9783869626628_anhang.pdf

CC BY-NC-ND

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