Noch eine Frage bitte, Leif Kramp und Stephan Weichert

Die Autoren plädieren für mehr Widerstandskraft im Digitalen und setzen sich für ein konstruktives Miteinander ein. Es geht darum, die Menschen in der Digitalisierung robuster zu machen und zugleich neue Fähigkeiten für den Umgang mit Krisensituationen zu entwickeln.
Noch eine Frage bitte, Leif Kramp und Stephan Weichert

Sie beschreiben Digitale Resilienz als „Superkraft“ gegen die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft. Können Sie ein Beispiel für einen solchen Lösungsansatz nennen, den unsere Leser*innen direkt im Alltag umsetzen können?

Eine zentrale Strategie für einen resilienten Medienkonsum ist die sogenannte „Social-Media-Diät“ – ein bewusster Umgang mit digitalen Inhalten kann helfen, Überforderung zu vermeiden. Ein konkreter Tipp: Legen Sie feste Zeiten für den Medienkonsum fest, beispielsweise indem Sie Nachrichten nur zweimal täglich gezielt abrufen, statt sich von permanenten Push-Nachrichten und dem suchtartigen Scrollen durch Social-Media-Feeds beeinflussen zu lassen. Digitale Resilienz bedeutet in diesem Kontext, Mechanismen zu entwickeln, die es ermöglichen, digitale Technologie maß- und vor allem verantwor­tungsvoll einzusetzen.

Ihre Erkenntnisse stützen sich auf eine Repräsentativbefragung in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Unsere Studie basiert auf einer zweistufigen Methodik: einer repräsentativen Befragung mit 1.001 Teilnehmer*innen aus verschiedenen Altersgruppen sowie vertiefenden qualitativen Interviews mit 53 Mediennutzenden. Gemeinsam mit forsa haben wir eine exklusive Repräsentativbefragung durchgeführt und vor allem Einblicke in Wahrnehmung, Motive und Implikationen rund um das Nutzungsverhalten verschiedener digitaler Medienangebote gewonnen. Bei den anschließenden Tiefeninterviews haben wir gezielt nach Aspekten des persönlichen Wohlbefindens, der Kenntlichkeit journalistischer Inhalte sowie verschiedener Coping-Strategien hinsichtlich des digitalen Medienkonsums der Mediennutzenden gefragt. Besonders interessant war die Erkenntnis, dass viele Menschen zwar um die problematischen Auswirkungen digitaler Medien wissen, aber dennoch Schwierigkeiten haben, ihr Nutzungsverhalten anzupassen. Hier setzt unser Konzept der Digitalen Resilienz an: Es geht darum, Menschen konkrete Werkzeuge an die Hand zu geben, um den eigenen Medienkonsum reflektierter und gesünder zu gestalten.

Wie wird sich der Umgang mit Medien angesichts zunehmender Krisen, wachsender Polarisierung und dem Suchtpotenzial digitaler Inhalte künftig verändern?

Die digitale Medienlandschaft und der gesellschaftliche Diskurs werden durch die Auswirkungen von aktuellen Krisen, Polarisierungseffekten und wachsender News Avoidance stark beeinflusst. Auch die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Nachrichtenproduktion sowie bei der Verbreitung von Desinformationen wächst. So zeichnet sich ein zunehmender Bedarf an vertrauenswürdigen, kuratierten Informationsquellen ab. In Zukunft wird es daher noch stärker die Aufgabe der Mediennutzenden sein, eine Faktenprüfkompetenz zu entwickeln. Nicht zuletzt erfordern globale Veränderungsprozesse einen resilienten Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Mediennutzung und die Entwicklung von Strategien zum bewussten Konsum digitaler Medieninhalte.

Weitere Informationen zum Buch Resilienz in der digitalen Gesellschaft. Mediennutzung in Zeiten von Krisen, Kriegen und KI von Leif Kramp und Stephan Weichert erhalten Sie hier.

VOCER Institut für Digitale Resilienz

Das VOCER Institut für Digitale Resilienz ist ein Verein für Medien- und Journalismuskritik e.V.