Jun.-Prof. Dr. Vera Katzenberger von der Universität Leipzig stellte bei den Kölner Mediengesprächen ihr neues Buch Zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Kompetenzen und Ausbildung für professionellen Journalismus vor. Sie erläuterte in ihrem Vortrag anhand ihrer Studienergebnisse, wie zukünftige Journalistinnen und Journalisten sich auf die Herausforderungen einer Gesellschaft im digitalen Wandel vorbereiten können und welche Voraussetzungen sie dafür in ihrer Ausbildung benötigen.
Der digitale Wandel hat den Journalismus grundlegend verändert. So prägen heute neue technologische Möglichkeiten von KI-Anwendungen die Arbeitsweise von Journalistinnen und Journalisten und stellen tradierte Strukturen infrage. Der Journalismus spielt eine große Rolle in der Gesellschaft, hat aber gleichzeitig an Vertrauen verloren. Die Medienhäuser versuchen sich anzupassen, Grenzen zu Mediengattungen verschwimmen und der wirtschaftliche Druck wächst. Die Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten werden immer unsicherer und stressiger – gleichzeitig bleibt weniger Zeit für Recherchen. Die Digitalisierung verändert nicht nur den Journalismus, sondern folgerichtig muss sich auch die Ausbildung verändern.
Im Fokus des Vortrags stand erstens die Frage: Kann man Journalismus studieren? Für die letzten Jahrzehnte zeigt sich, dass sich der Zugang zum Berufsfeld stark akademisiert hat. Die Absolventen von Journalismusstudiengängen an deutschen Hochschulen kommen eher aus akademischen Haushalten. Dadurch reproduzieren sich gesellschaftliche Ungleichheiten und es ist fraglich, ob eine homogene und elitäre journalistische Landschaft die breite Gesellschaft in ihrer Vielfalt noch abbilden kann.

Zweitens wurde erörtert, ob man den Journalismus lernen kann. Hierfür zeigte Frau Katzenberger in einem historischen Abriss die Entwicklung der hochschulgebundenen Journalismus-Ausbildung von den Anfängen mit frühen Pionierprojekten (ab 1899) bis zur Reformierung und Europäisierung (ab 1999) inklusive Bologna-Reform. Aktuell hat sich der Hochschulabschluss als zentraler Weg in den Beruf etabliert und wird begleitet von Praktika und anschließendem Volontariat. Welche Rolle das Volontariat in der journalistischen Ausbildung spielte und spielt, kann detailliert in der im Herbert von Halem Verlag erschienenen Arbeit von Niklas Venema (weitere Informationen finden Sie hier: Das Volontariat) nachgelesen werden.
Drittens: In einer Online-Befragung von 228 Nachwuchsjournalisten hat die Autorin die Frage untersucht, ob die Ausbildung mit den geänderten Ansprüchen an den Journalismus mithalten kann. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten in den Bereichen der Basis- und Fachkompetenzen an den Hochschulen gut ausgebildet fühlen. Auch die Vermittlung von Ethikkompetenzen und die Befassung mit der demokratischen Rolle und den gesellschaftlichen Leistungen des Journalismus zählen laut Aussage der Interviewten zum Kern der universitären Ausbildung. Als defizitär wurden jedoch der Dialog mit dem Publikum, die Vermittlung unternehmerischer Kenntnisse sowie von Wissen im Bereich KI und Digitalisierung wahrgenommen.
Hier müssen innovative Ansätze zur Kompetenzvermittlung an den Hochschulen gefunden werden, um beste Voraussetzungen für die berufliche Laufbahn von Journalistinnen und Journalisten zu schaffen und zu verhindern, dass sie aussteigen und in andere Berufsfelder wie die PR abwandern (nachzulesen in der Studie von Jana Rick, Ausstieg aus dem Journalismus. Gründe, Wege und Folgen, die ebenfalls in Kürze im Herbert von Halem Verlag veröffentlicht wird).



