In Zeiten von KI, die Bilder in Sekunden erzeugen kann: Wie wichtig ist es für Comic-Schaffende, originelle und fesselnde Geschichten zu erzählen?
Das bleibt die entscheidende handwerkliche Grundlage: Es geht beim Comic um ein Erzählmedium, das Bilder und Texte so zusammenbringt, dass etwas Größeres entsteht als nur die Summe der Teile. Gerade diese Kombination macht Comics ja so einzigartig und auch anspruchsvoll für die Autor*innen. Deswegen kann ein gelungener Comic auch durchaus mit rudimentären Zeichnungen auskommen – wenn es eben zur Geschichte passt.
Sie erwähnen Miles Davis’ Ansatz, nicht alle Noten zu spielen, sondern nur die auszuwählen, die etwas aussagen. Wie übertragen Sie dieses Prinzip auf Comics, um mit gezielter grafischer Reduktion maximale erzählerische Wirkung zu erzielen?
Entscheidend ist, die grafischen Mittel eben so einzusetzen, dass maximale Wirkung beim Visual Storytelling erzielt wird: Überlädt man ein Panel zu sehr mit unwesentlichen Details oder vermindert den Kontrast zwischen Figuren und Hintergrund zu sehr, dann kann genau dieser Fokus auf das Wesentliche verloren gehen. Genau deswegen sind Comic-Autoren wie Hugo Pratt (Corto Maltese) ja so großartige Bilderzähler.
Was möchten Sie Comic-Schaffenden und Leser*innen Ihres Buchs mitgeben?
Vor allem Begeisterung für dieses einzigartige Medium wecken, das ja den entscheidenden Vorteil hat, dass man mit geringsten finanziellen Mitteln maximale Wirkung erzielen kann: Comicautor*innen brauchen keine aufwendigen Kulissen, teure Schauspieler oder zahllose Komparsen – Comics sind in diesem Sinn quasi „Kopfkino“ reinster Natur (was die Machbarkeit angeht). Die Möglichkeiten sind nur durch die eigenen erzählerischen und zeichnerischen Fähigkeiten begrenzt. Das gilt heute mehr denn je!
Weitere Informationen zum Buch Comics. Konzept und Gestaltung von Hannes Rall erhalten Sie hier.


