Georg Ruhrmann / Sabrina Heike Kessler / Lars Guenther (Hrsg.)

Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit

In der Presse, im Rundfunk und in den Online-Medien finden sich vermehrt Berichte über Wissenschaft, Technik und ihre Folgen. Neuerdings gerät dabei die wissenschaftliche (Un-)Sicherheit der zugrunde liegenden Forschung in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit. Nicht nur Forscherinnen und Forscher sprechen darüber, auch in Presse, Fernsehen und im Netz wird darüber berichtet. Schnell ist dann von Risiken die Rede.

Nicht nur in der medizinischen, naturwissenschaftlichen sondern auch in der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Forschung wird darum gerungen, möglichst evidente, d. h. belegbare wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen. Damit verbunden ist oft eine komplexe methodologische Debatte über Forschungsdesigns und die jeweils erzielten empirischen Resultate. Sie macht einen wesentlichen Kern jeder Fachdisziplin aus und zeigt auch den jeweiligen wissenschaftlichen Fortschritt an. Doch die breite, nicht wissenschaftlich vorgebildete Öffentlichkeit nimmt diese in der Wissenschaft vorherrschende Diskussion häufig als Kontroverse, ja sogar als Streit zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und folglich auch als Risiko wahr. Wissenschaftliche Ergebnisse werden nicht selten absolut gesichert, einseitig und somit unreflektiert oder ungefiltert von Journalistinnen und Journalisten dargestellt. Dies geschieht nicht zuletzt, damit diese für das Publikum spannender erscheinen und leichter konsumiert werden können.

Welche Aufgabe und welche Rolle kommt dem Journalismus bei der Kommunikation von Wissenschaft und deren Erkenntnissen zu? Wie gehen Journalistinnen und Journalisten mit wissenschaftlicher Unsicherheit und Evidenz um? Kann Öffentlichkeitsarbeit für mehr nachhaltige Akzeptanz von Grundlagenforschung, aber auch ihrer möglichen Folgerisiken sorgen? Wie wird wissenschaftliche Evidenz, Unsicherheit und Risiko in den Massenmedien überhaupt in Schrift, aber auch in Bild vermittelt? Wie wirken unterschiedliche Darstellungen auf die Rezipientinnen und Rezipienten? Welche journalistische Qualität kann den jeweiligen Beiträgen und Berichten zugesprochen werden? Lassen sich Qualitätsveränderungen der Wissenschaftskommunikation feststellen? Dies sind Fragen, die der vorliegende Band ausführlich behandelt. Er präsentiert ausgewählte Beiträge der 2. Jahrestagung der Ad-hoc-Gruppe Wissenschaftskommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Sie fand 2015 an der Friedrich-Schiller Universität Jena unter Beteiligung zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit statt.

Inhaltsverzeichnis

I. Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit

Georg Ruhrmann/ Sabrina Heike Kessler / Lars Guenther
Zwischen fragiler und konfligierender Evidenz:
Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit

Emma Weitkamp
Science, Media and Public Relations

II. Die Perspektive der Journalistinnen und Journalisten und Kommunikatoren

Markus Lehmkuhl / Hans Peter Peters
»Gesichert ist gar nichts!«
Zum Umgang des Journalismus mit Ambivalenz, Fragilität und Kontroversität neurowissenschaftlicher ›truth claims‹

Christoph Klimmt / Alexandra Sowka / Arne Sjöström / Lara Ditrich / Mario Gollwitzer / Tobias Rothmund
Wie Journalisten mit sozialwissenschaftlicher Evidenz umgehen:
Erkenntnisse aus einem Workshop

III. Mediale Darstellungen von Wissenschaft

Julia Serong / Marcus Anhäuser / Holger Wormer
Qualitätsveränderungen der Wissenschaftskommunikation am Beispiel medizinischer Themen

Jörg Haßler / Marcus Maurer / Corinna Oschatz
So gut wie sicher?
Die Darstellung der Ungewissheit klimawissenschaftlicher Erkenntnisse durch Wissenschaft, Massenmedien und Politik

IV. Die Rezipientinnen und Rezipienten im Fokus

Julia Metag / Mike S. Schäfer / Katharina Kleinen-von Königslöw
Eisbär, Gletscher und Windräder –
Die Wahrnehmung von Klimawandel-Bildern in Deutschland

Sabrina Heike Kessler / Doreen Reifegerste / Lars Guenther
Die Evidenzkraft von Bildern in der Wissenschaftskommunikation

Jutta Milde / Berend Barkela
Wie Rezipienten mit wissenschaftlicher Ungesichertheit umgehen:
Erwartungen und Bewertungen bei der Rezeption von Nanotechnologie im Fernsehen

Hannah Früh
Unsicherheitsbewältigung durch numerische Informationen?
Bewertung abstrakter numerischer Informationen im Risikokontext

AUTOREN / HERAUSGEBER

Georg Ruhrmann

Georg Ruhrmann, Prof. Dr., studierte Philosophie, Soziologie und Biologie in Marburg und Bielefeld. Im Jahr 1997 Rufe an die Technische Universität Ilmenau und an die Universität Jena, Lehrstuhl Grundlagen der medialen Kommunikation und der Medienwirkung. Projektleitungen in der DFG-Forschergruppe „Discrimination and Tolerance in Intergroup Relations“ (2002 - 2008) und im DFG-Schwerpunktprogramm 1409 „Wissenschaft und Öffentlichkeit “ (2009 - 2015). Mitglied u. a. in der Kommission für Risikoforschung und -wahrnehmung beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und im Rat ...


Sabrina Heike Kessler

Sabrina Heike Kessler, Dr., Studium der Medienwissenschaft, Psychologie und Germanistischen Sprachwissenschaft in Jena. Seit 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Grundlagen der medialen Kommunikation und der Medienwirkung. Seit 2009 assoziiert in DFG-Projekten im Schwerpunktprogramm 1409 „Wissenschaft und Öffentlichkeit“. 2015 Promotion mit einer theoretischen und empirischen Grundlagenstudie zum Thema „Eine Analyse dargestellter Evidenzframes und deren Wirkung am Beispiel von TV-Wissenschaftsbeiträgen“. Arbeitsschwerpunkte sind Medienwirkungsforschung sowie Wissenschafts- und Gesundheitskommunikation. ...


Lars Guenther

Lars Guenther, Dr., Studium der Medienwissenschaft, Neueren Geschichte und Germanistischen Literaturwissenschaft in Jena. Seit 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Grundlagen der medialen Kommunikation und der Medienwirkung. Mitarbeiter in DFG-Projekten im Schwerpunktprogramm 1409 „Wissenschaft und Öffentlichkeit". 2015 Promotion mit der Arbeit „The coverage of (un)certainty: Science journalists' perceptions and reporting on scientific evidence". Seit 2015 PostDoc-Stipendiat des Lehrstuhls Science Communication am Centre for Research on Evaluation, Science and Technology (CREST) der Universität Stellenbosch (Südafrika). Arbeitsschwerpunkte sind Gesundheits- und Wissenschaftskommunikation sowie Rezeptions- ...


Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit
  • 2016
  • 248 S., 9 Abb., 12 Tab.,
  • Broschur, 213 x 142 mm, dt.
  • ISBN 978-3-86962-196-8

  • 29,50 EUR
  • lieferbar

EBOOK (PDF)

ISBN 9783869621975
25,99 EUR bestellen

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