Christian Schwarzenegger

Transnationale Lebenswelten: Europa als Kommunikationsraum

Das Europa der EU gilt oft als eines, das mit „dem wirklichen Leben der Menschen“ nichts zu tun hat. Auch die Kommunikationswissenschaft betrachtet Europa meist aus einer Perspektive von oben, während der kommunikative Alltag von Menschen kaum in den Fokus gerät. Welche Rolle aber spielen Identifikationsangebote wie Region oder Nation und wie verhalten sich diese zu „Europa“, wenn Menschen in hochgradig mobilen und vernetzten Gesellschaften leben, an die Massenkommunikationsbestände der Welt Anschluss finden können und permanent mit potenziell global ausgedehnten persönlichen Netzwerken verbunden sind? Welche Folgen hat es für die Ausbildung von kollektiver Zugehörigkeit und die Formierung von (transnationaler) Öffentlichkeit, wenn Grenzverläufe von Lebenswelten nicht mit politischen Verwaltungseinheiten oder primären Empfangs- bzw. Verbreitungsgebieten von Massenmedien kongruent sind?

Der Autor diskutiert die Lebenswelt des Alltags im Kontext sozialer und kultureller Wandlungsprozesse wie Globalisierung, Transnationalisierung, Mobilisierung und Mediatisierung und identifiziert dabei Bausteine für eine Theorie des Kommunikationsraums. Diese ermöglichen es, alltägliche Lebenswelten und transnationale Vergemeinschaftungsprozesse unter Mediatisierungsbedingungen von unten analytisch zu fassen. Dazu werden Formen und Bedingungen von Kommunikation mit Raum als materiellem Substrat der Lebenswelt und anhand seiner strukturierenden Rolle für Kommunikationsprozesse verbunden. Das vorgeschlagene Verständnis von Kommunikationsraum ist nicht auf Europa begrenzt, sondern auf eine Vielzahl von Fragestellungen anwendbar, die von einer Verbindung zwischen Lebenswelt-, Öffentlichkeits- und Mediatisierungsforschung profitieren können, um medien- und soziokulturellen Wandel in einer nicht medienzentrierten Perspektive zu adressieren.

Inhaltsverzeichnis

I. Theoretische Verortung

1. Einleitung

2. Europa: Was es ist, was es war, was es sein kann
2.1 Europa – Diskursive Herstellung eines imaginierten Kontinents
2.1.1 Europa als Idee und Ideal
2.1.2 Europa zwischen Konstrukt der Eliten und gelebter Praxis
2.2 Die EU als Europa der Sozialwissenschaften
2.2.1 Die Defizittriade der EU: Demokratie, Öffentlichkeit und Identität als Kern der sozialwissenschaftlichen Europaforschung
2.2.2 Das Defizit der europäischen Öffentlichkeit
2.2.3 Das Defizit der europäischen Identität
2.3 Europa banal – Potenzial einer Banalisierung
2.3.1 Banaler Nationalismus – banaler Europäismus – banaler Transnationalismus
2.3.2 Banales Europa sichtbar machen: Europa ein ›Gefühl‹?
2.4 Zwischenresümee I: Vom Europa als Idee zur Bedeutung des banalen Europa in der alltäglichen Lebenswelt

3. Lebenswelt und Mediatisierung
3.1 Die Lebenswelt des Alltags
3.1.1 Die alltägliche Lebenswelt als kommunikative Konstruktion
3.1.2 Die Reichweite der alltäglichen Lebenswelt
3.2 Mediatisierung: Wandel in Medien, Kultur und Gesellschaft
3.2.1 Mediatisierung – ein Begriff und zahlreiche Perspektiven
3.2.2 Mediatisierung – Erweiterung des Paradigmas öffentlicher Kommunikation?
3.3 Zwischenresümee II: ›Mediatisierung und‹ statt ›Mediatisierung von‹ – zum Zusammenhang von Lebenswelt und Mediatisierung

4. Alltägliche Lebenswelten unter Mediatisierungsbedingungen – Bausteine zur Theoretisierung von Kommunikationsraum
4.1 Mediatisierung und …
4.1.1 … die veränderte Reichweite der Lebenswelt
4.1.2 … veränderte Vergemeinschaftung in der Lebenswelt
4.2 Kommunikationsraum – ein theoretisches und analytisches Konzept
4.2.1 Kommunikationsraum (Europa) – Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen
4.2.2 Kommunikationsraum – Annäherung an eine Theoretisierung als multidimensionales und individuenbestimmtes Konstrukt
4.2.3 Kommunikationsraum – eine Perspektive nicht medienzentrierter Medienforschung
4.3 Zwischenresümee III: Europa, lokal, global, nicht egal – Kommunikationsraum als Perspektive auf alltägliche Lebenswelten

II. Empirische Erkundung

5. Kommunikative Lebenswelten in Europa – Beispiele für und aus Kommunikationsraumstudien
5.1 ›Europa als Miniatur‹ – Transnationale Kommunikationsräume in Europa am Beispiel der Euregio Maas-Rhein
5.1.1 ›Europa wiederentdecken‹ – Die Euregio Maas-Rhein
5.1.2 Drei Nationen, drei Generationen, Triangulation von drei Methoden – ein nicht medienzentriertes Untersuchungsdesign
5.1.3 ›Europa als Miniatur‹ – Themenkomplexe, Auskunftsbereiche und Interessengebiete
5.1.4 ›Europa als Miniatur‹ – Sechs Thesen zu transnatio­na­­len Kommunikationsräumen in der Euregio Maas-Rhein
5.2 ›Europa auf der Couch‹ – Translokale transnationale Kommunikationsräume in Europa am Beispiel der Couchsurfing Community
5.2.1 ›Strangers … friends you have not met yet‹ – Organisation und Selbstverständnis der Couchsurfing Community
5.2.2 Drei Wege zur Couch: Methodentriangulation zur Kartografie der individuellen Kommunikationsräume von Couchsurfern
5.2.3 ›Europa auf der Couch‹ – Themenkomplexe, Auskunftsbereiche und Interessengebiete
5.2.4 ›Europa auf der Couch‹ – Drei Thesen zur Bedeutung Europas in kommunikativen Lebenswelten von Couchsurfern

6. Europa als Kommunikationsraum: Ein Fazit

7. Literatur

III. Anhang

AUTOREN / HERAUSGEBER

Christian Schwarzenegger

Christian Schwarzenegger, Jg. 1980, ist seit 2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien, Wissen und Kommunikation an der Universität Augsburg. Seit 2014 ist er Chair des Young Scholars Network der ECREA und seit 2016 Kosprecher der Fachgruppe ›Kommunikationsgeschichte‹ der DGPuK. Seine Forschungsschwerpunkte sind der Medien- und Gesellschaftswandel, Kommunikationsgeschichte, Kommunikation und Raum, Medien und Alltagshandeln, kommunikationswissenschaftliche Erinnerungsstudien sowie Theorien und Geschichte der Kommunikationswissenschaft. ...


Transnationale Lebenswelten: Europa als Kommunikationsraum
  • 2017,
  • 360 S., 5 Abb.,
  • Broschur, 213 x 142 mm, dt.
  • ISBN 978-3-86962-226-2

  • 34,00 EUR
  • lieferbar

EBOOK (PDF)

ISBN 9783869622279
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