Noch eine Frage bitte, liebe Herausgeberinnen und Herausgeber

»Trump und das Fernsehen«, herausgegeben von Dominik Maeder, Herbert Schwaab, Stephan Trinkaus, Anne Ulrich und Tanja Weber, erkundet die Komplexität des Phänomens ‚Trump‘ und schlägt neue Ansätze vor, die Medienwelt nach und mit Trump zu verstehen.

Noch eine Frage bitte, liebe Herausgeberinnen und Herausgeber

Wenn von Trump und Medien die Rede ist, wird meist auf seine regen Twitter-Aktivitäten Bezug genommen. Sie haben den Fokus aber auf Trump und das Fernsehen gelegt. Wieso ist es entscheidend, das Phänomen ›Trump‹ mit und über das Fernsehen zu verstehen?

Trumps Twitter-Aktivitäten sind zweifelsohne von großer Bedeutung, können jedoch vom Fernsehen her in doppelter Hinsicht verstanden werden: Zum einen sind Trumps Tweets oftmals direkt von seinem extensiven Fernsehkonsum beeinflusst, ja: Kommentare insbesondere zu den Nachrichten, die er dem Fernsehen entnimmt. Zum anderen schreibt die Affektlogik seiner Tweets die Affektlogik seiner Fernsehauftritte fort: So setzt sich im beständigen Antagonisieren, in den Anfeindungen, Vorwürfen und Fehden, die er mit seinen Tweets anzettelt, eine Logik des inszenierten (Wett-)Kampfes fort, die schon im Wrestling oder im Reality-TV zu beobachten sind.

Sie sprechen von den Begriffen »Medien, Realität, Affekt« und »Politik« als »terminologische Leitmarken« des Buches. Wie kommen diese Begriffe in der Trump’schen Medienökologie des Fernsehens zusammen?

Das Phänomen Trump handelt ja nicht nur von einer bestimmten Politik, sondern davon, dass es die Koordinaten dessen verschiebt, was wir als real ansehen. Deswegen ist der sogenannte ›Faktencheck‹ oder das Zählen der täglichen Unwahrheiten auch relativ machtlos einem solchen Phänomen gegenüber. Trumps Realität ist nicht die der Fakten, sondern die des Affekts, der Gefühle, also der Unterhaltung, der Freude und des Hasses und der Freude am Hass. Er bezieht sich auf Affekte ebenso wie klassische Politiker_innen sich auf Fakten beziehen: Er zieht aus ihnen seine Macht. Das ist deshalb möglich, weil Fakten so wie Affekte nicht einfach da sind, sondern von Medien geformt, stabilisiert und verbreitet werden müssen. Und das ist natürlich eine grundlegend politische Frage, über die aber anders nachgedacht werden muss. Eine Möglichkeit wäre, Realität (z.B. Fakten) und Affekte nicht gegeneinander auszuspielen, wie es Trump und seine liberalen Gegner_innen tun, sondern sie anders miteinander zu verknüpfen: der Politik der Verantwortungs- und Gewissenlosigkeit Trumps eine antwortende, sorgende, zugewandte Politik entgegenzusetzen.

Nur noch ein kurzer Ausblick: Sie beginnen Ihren Band mit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA vor vier Jahren. Davon ausgehend entfalten Sie die Verschränkungen des Phänomens ›Trump‹ mit der Dynamik des Fernsehens und schlagen auch einen Bogen zu aktuellen Entwicklungen. Nun stehen dieses Jahr wieder Präsidentschaftswahlen in den USA an: Wird das Fernsehen eine große Rolle bei Trumps Bestrebungen spielen, die Wähler von sich zu überzeugen?

Ja und nein. Auf der einen Seite spielt etwa Fox News als Leitmedium weiterhin eine zentrale Rolle, auf der anderen Seite ist das Fernsehen eben nur (noch) ein Element von vielen, durch die sich die Affektströme der Trump’schen Medienökologie bewegen. Es wird aber auch im aktuellen Wahlkampf deutlich, wie sehr die Auftritte und Äußerungen Donald Trumps von Logiken des Fernsehens geprägt sind, etwa im Schielen auf die Quote, in der Inszenierungslust, dem Exzess und der Serialität.