Manipulationen durch Bilder

Visuelle Desinformation. Vortrag von Marcel Lemmes, Koelner Mediengespraeche

Marcel Lemmes während seines Vortrags bei den Kölner Mediengesprächen. Foto: Dominique Wainstein

Am 28. Mai 2026 hielt Dr. Marcel Lemmes im Rahmen der Kölner Mediengespräche in den Räumen des Herbert von Halem Verlags einen Vortrag über das systematische Zusammenspiel von visueller Kommunikation, Populismus und Desinformation.

Um an einem aktuellen Beispiel zu verdeutlichen, welche Funktionsweisen visueller Manipulation sich im digitalen Raum finden lassen und wie leicht wir populistische Bilder übersehen, zeigte Lemmes zu Beginn der Veranstaltung zwei Bilder von Wal-Schwanzflossen. Diese kursierten im Zusammenhang mit der Rettungsaktion des von einigen Medien als ›Timmy‹ bezeichneten Buckelwals im Netz. Sie sollten im Vergleich belegen, dass es sich bei dem an der dänischen Küste tot aufgefundenen Wal nicht um ›Timmy‹ handle und dieser folglich noch am Leben sei. Zuvor war die mediale Berichterstattung rund um die Rettung des gestrandeten Wals bereits für politische Botschaften genutzt worden. Dieser Bild-Post wurde schnell in einem politischen Umfeld weiterverbreitet – und damit auch die Desinformation.

Bilder werden im digitalen Zeitalter laut Lemmes zum mächtigsten Werkzeug in der Medienkultur. Sie seien nicht nur das zentrale Instrument für kommunikative Handlungen, sondern auch ein zentrales Element für mögliche Manipulation: Irgendjemand tut etwas mithilfe eines Bildes. Desinformation müsse in diesem Zusammenhang neu gedacht werden. »Desinformation ist nicht die absichtliche Verbreitung von Lügen, sondern Manipulation über Affekte und Kontexte«, sagte der Autor.

Als weitere Beispiele für manipulative digitale Bilder, die dem Betrachter im Netz begegnen können, zeigte er verschiedene Bilder von Donald Trump und von AfD-Kampagnen, die mithilfe von KI erstellt oder mit Photoshop bearbeitet wurden. Bei diesen Bildern wurde die extreme Formbarkeit von Bildmaterial (Fluidität) erkennbar. Gleichzeitig wurden das Zusammenwirken von Bild, Text und Kontext (Multimodalität) einerseits und der Kontextverlust andererseits mehr als deutlich.

Kölner Mediengespräche

Die Kölner Mediengespräche verstehen sich als eine offene Plattform des Diskurses. In Gesprächsrunden, Vorträgen oder auch Präsentationen setzen sich Gäste und Autor:innen aus der Welt der Medien mit den spannenden Fragen unserer Zeit auseinander. Weitere Informationen zu den Kölner Mediengesprächen finden Sie unter https://www.halem-verlag.de/koelner-mediengespraeche/

»Populismus profitiert von der Konstruktion einer ›alternativen Realität‹. Visuelle Desinformation ist dafür das ideale Mittel.« Populistische Bilder werden als digitale Handlungsinstrumente eingesetzt. Durch sie sollen ein dichotomes Weltbild transportiert, Feindbilder gefestigt und ein Gefühl von Gemeinschaft hervorgerufen werden. Sie liefern eine scheinbare Authentizität und fordern über Affekte zur Mobilisierung auf.

Es muss festgehalten werden: »Desinformation ist nicht das Gegenteil von Information. Desinformation ist die Bewegung weg von der Information (hin zum Affekt).« Deshalb unterstrich Lemmes zum Schluss: »Fragen Sie nicht: ›Ist das echt?‹ Fragen Sie: ›Was versucht dieses Bild mit mir zu tun?‹«