Bei den Kölner Mediengesprächen stand zuletzt die Internationale Photoszene Köln und das Residenzprogramm Artist Meets Archive im Fokus. Die Herausgeberinnen des neu erschienenen Sammelbandes, Heide Häusler und Heidi Pfohl, sowie die Programmleiterinnen, Helena Weber und Daria Bona, gaben einen Einblick in die künstlerische Auseinandersetzung mit den Archiven der Stadt. Dabei wurden besonders die Perspektiven internationaler Künstler*innen, der Blick auf Machtverhältnisse im Archiv und die Zukunft des Programms als Verbindung von Archivarbeit und künstlerischer Praxis diskutiert.
Die Photoszene Köln ist ein Netzwerk, das Fotografie als lebendige Kunstform fördert und mit einer Vielzahl an künstlerischen Formaten bereichert. In den letzten Jahren hat sie sich insbesondere mit ihrem biennal stattfindenden Festival einen Namen gemacht, unter dem internationale Künstler*innen mit Kölner Institutionen und Archiven zusammenarbeiten, um die Fotografie und vor allem den fotografischen Blick aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Der künstlerische Diskurs steht dabei an erster Stelle.
Ein besonders innovatives Format der Photoszene Köln ist Artist Meets Archive. Künstler*innen erhalten die Möglichkeit, mit den vielfältigen Archivbeständen Kölns zu arbeiten, die sich über eine Vielzahl von Institutionen und Themen erstrecken – vom Rheinischen Bildarchiv bis hin zum Dombauarchiv. Diese Archive dienen nicht nur als historische Quellen, sondern werden durch die künstlerische Auseinandersetzung zu einem lebendigen Teil des gegenwärtigen Diskurses. Der Zugang zu diesen Beständen ermöglicht es den Künstler*innen, neue Werke zu schaffen, die nicht nur die Geschichte der Fotografie hinterfragen, sondern auch Fragen der Zugänglichkeit und Deutungshoheit aufwerfen.
Ein zentraler Aspekt von Artist Meets Archive ist die Zusammenarbeit mit internationalen Künstler*innen, die im Rahmen des Projekts die Machtverhältnisse im Archiv hinterfragen. So wird beispielsweise die Zugänglichkeit von Archivbeständen oft von institutionellen oder historischen Barrieren geprägt – nicht alle Bestände sind vollständig katalogisiert oder öffentlich zugänglich. Dieser Umstand bietet den Künstler*innen die Möglichkeit, die Deutungshoheit über das Archiv zu verschieben und die Archivrecherche als künstlerisches Werkzeug zu nutzen. In den bisherigen Symposien des Programms wurden diese Themen vertieft und eröffneten Raum für kritische Auseinandersetzungen. Künstler*innen wie zum Beispiel Lebohang Kganye zeigten, wie ihre Auseinandersetzung mit Archiven zu neuen narrativen Formaten führen, die bestehende Narrative aufbrechen und alternative Perspektiven eröffnen. Die Interaktion zwischen wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis wird so zu einem kritischen Raum, in dem sowohl die Fotografie als auch die Institutionen, die sie bewahrt, hinterfragt werden.
Die Internationale Photoszene Köln spielt eine Schlüsselrolle in der Förderung dieser künstlerischen Auseinandersetzung. Durch die Zusammenarbeit mit internationalen Künstler*innen wird der Blick auf globale und lokale Narrative geschärft, was zu einer neuen kritischen Auseinandersetzung mit dem archivarischen und fotografischen Erbe führt. „Lieb gewonnene Narrative aufbrechen“, wie es Helena Weber formulierte. Die Veranstaltung im Rahmen der Kölner Mediengespräche zeigte eindrucksvoll, wie kreative Prozesse und wissenschaftliche Forschung Hand in Hand gehen können, um das Archiv als lebendigen Bestandteil der zeitgenössischen Kunstpraxis zu aktivieren.


