Peter Seele

Künstliche Intelligenz und Maschinisierung des Menschen

Schriften zur Rettung des öffentlichen Diskurses, Band 1

Fast jeder hat Erfahrungen mit Siri, Alexa oder anderen Chatbots. Doch was geschieht, wenn ein Mensch einen Chatbot in einen Dialog über Philosophie verwickelt? Kann man mit künstlichen Intelligenzen (KI) überhaupt über Bewusstsein, Erinnerung und philosophische Theorien der Zeit diskutieren?

Ja, man kann – zumindest der Form nach. Und das gleich zweimal: Mit den beiden für den Loebner-Preis für KI dekorierten Chatbots Rose und Mitsuku. Ob das geistreich ist? Das muss jeder für sich entscheiden. Ob das unterhaltsam ist? Ja – allerdings eher unfreiwillig. Im systematischen Teil des Essays werden die Dialoge ausgewertet. Dabei wird der gegenwärtige Hype um KI als maßlose Übertreibung sichtbar, ein Goldrausch der KI gewissermaßen, übrigens von Menschen und ihren allzu menschlichen Interessen veranlasst.

Die Begriffe rund um das Thema KI werden im Buch weggeholt von der Behauptung der Singularität, der Disruption oder der versteckten Science Fiction – zurück auf den Boden der funktionalen Tatsachen einer gleichwohl beachtlichen Innovationsspirale: Automatisierung, Standardisierung und maschinelles Verarbeiten von großen Echtzeit-Daten sind aktuell die sachgemäßen Beschreibungen des gegenwärtigen KI-Rauschs. Doch eigentlich geht es beim KI-Rausch um etwas anderes: Die Maschinisierung des Menschen durch Standardisierung, Automatisierung und verbesserte Kontrolle zur fortschreitenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche, ermöglicht durch Algorithmen, Datafizierung und digitale Technologie in bisher ungeahnter Wirkmächtigkeit.

Der Essay enthält dazu fünf Thesen:

These 1:
Maschinen werden immer effizienter im Automatisieren – oder: die Automatisierung der Automatisierung

These 2:
Trotz Automatisierung der Automatisierung: Maschinen sind nicht geistreich intelligent

These 3:
Menschen werden als Datenhaufen ausgemessen – und damit zu Datenhaufen gemacht

These 4:
Datenhaufen quo vadis? Von der Präferenz-Erfassung zum „hackable animal“

These 5:
Synthese = Die Maschinisierung der Menschen – zur Bahnung der KI

Fazit: Mit den künstlichen Intelligenzen verhält es sich wie mit künstlichen Tränen: Sie erfüllen einen instrumentellen Zweck, der aber in keiner Weise mit jenen schillernden Gefühlen verbunden ist, die wir in Freude oder Trauer empfinden – und die uns zum Menschen machen. Alles andere ist Budenzauber oder Desinformation.

STIMMEN ZUM BUCH

“Alles in allem macht der vorliegende, knapp 200 Seiten lange Essay Lust, mehr von diesem Autor zu lesen, der es versteht, kenntnisreich und mit Witz zugleich seine Leser*innen zu inspirieren.” (Prof. Rudolf Renger in kommunikation.medien, https://eplus.uni-salzburg.at/JKM, letzter Zugriff 31.08.2020)

“Seeles Maschinen-Dialoge zeigen neben erstaunlicher Geduld und Frustrationstoleranz vor allem, dass der Mensch der flexiblere Gesprächspartner ist, derjenige, der sich bemüht, Sinn in den Antworten der Programme zu finden. […] Nicht eine zu kluge Technik lechzt also danach, die Herrschaft zu übernehmen, sondern wir liefern uns schleichend und mehr oder weniger unbemerkt einer Standardisierungslogik aus, die mit der Digitalisierung einhergeht. Daran dürfte auch die Verbesserung der Programme nichts ändern. Die Einsicht in diese doppelte Dynamik ist wichtig, um zu verstehen, was die Digitalisierung mit uns macht oder besser: was wir im Zuge der Digitalisierung mit uns selbst machen oder machen lassen.” (Manuela Lenzen: Unflexibel ist der Bot, Frankfurter Allgemeine Zeitung 197, 25.08.2020)

“Wir sollten die Ethik und Nachhaltigkeit der Digitalisierung noch viel ausführlicher erforschen. Dieses Buch ist ein provokativer Beitrag dazu.” (Dr. Matthias Stürmer, Leiter Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit am Institut für Informatik der Universität Bern)

“Kaum gibt es die ersten Roboter, die ein wenig wie Menschen aussehen und sprechen, gleich wird gemutmasst: ‘Jetzt haben wir den Menschen verstanden. Er ist nichts anderes als ein biologischer Roboter.’ Und schon müssen wir uns mit Robotern messen, die nicht müde und nicht krank werden, keinen Urlaub machen, keinen Lohn fordern, keine Gefühle haben und nicht mitbestimmen möchten. Das digitale Paradies der Zukunft ist für Roboter gemacht, so scheint es, und der Mensch ist vor allem eine Störgrösse. Zeit, darüber nachzudenken, was denn Menschsein wirklich heisst. (Prof. Dirk Helbing, ETH Zürich, Autor von The Automation of Society Is Next)

VIDEO

WEITERFÜHRENDE LINKS

Pendant-Podcast. Gespräche zur digitalen Zeit. 01 Künstliche Intelligenz mit Peter Seele. Im Gespräch mit Lars Rademacher und Henriette Heidbrink: https://podcast26fc2e.podigee.io/2-peterseele

AUTOREN / HERAUSGEBER

Peter Seele

Peter Seele (*1974) ist Ordinarius für Wirtschaftsethik an der Universität der italienischen Schweiz (USI Lugano). Studium der Wirtschaftswissenschaften (Dipl.) und Philosophie/ ev. Theologie (Magister) an der Universität Oldenburg und an der Delhi School of Economics, Indien. Promotion in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke (2003 bei B. Priddat und R. zur Lippe) und in Philosophie an der Universität Düsseldorf (2006 bei C. Kann und D. Birnbacher). Zwei Jahre tätig als Unternehmensberater, darauf Post-Doc am KWI Essen, Assistenzprofessor an der Universität Basel ...


Künstliche Intelligenz und Maschinisierung des Menschen
  • 2020,
  • 200 S., Broschur, 190 x 120 mm, dt.
  • ISBN 978-3-86962-512-6

  • 21,00 EUR
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