Forschungsethik im Datenmeer

Herausforderungen der Inhaltsanalyse von textbasierten Nutzungsdaten aus sozialen Medien

Zusätzliche Information

Maße 14,2 × 21,3 cm
Veröffentlicht

erscheint am 15.04.2027

Auflage

1. Auflage

Verlag

Herbert von Halem Verlag

Seiten

350

Artikelnummer(n)

9783869627823

Formate

Buch

Bucheinband

Broschur

Kategorien: Vorschau
Downloads: Cover
Erscheint demnächst

Die wissenschaftliche Nutzung von Daten aus sozialen Medien eröffnet der Kommunikations- und Medienwissenschaft vielfältige Forschungsmöglichkeiten, wirft zugleich jedoch komplexe forschungsethische Fragen auf. Besonders bei Inhaltsanalysen textbasierter Nutzungsdaten ist häufig unklar, unter welchen Bedingungen öffentlich zugängliche Inhalte ohne informierte Einwilligung verwendet werden können, wie die Privatsphäre der Nutzenden zu schützen ist und welche Verantwortung Forschende gegenüber weiteren am Forschungsprozess beteiligten Personen tragen.

Die Studie untersucht, wie solche Herausforderungen in der Forschungspraxis wahrgenommen und berücksichtigt werden und wie der Umgang mit ihnen in der Methodenausbildung vermittelt werden kann. Grundlage ist ein multiperspektivisches Mixed-Methods-Design, das die Sichtweisen verschiedener Bezugsgruppen zusammenführt: Expert*inneninterviews und eine Online-Befragung mit Forschenden, Leitfadeninterviews mit Studierenden sowie eine Online-Befragung mit Nutzenden sozialer Medien.

Die Ergebnisse zeigen, dass forschungsethische Herausforderungen zum Forschungsalltag gehören, entsprechende Entscheidungen jedoch überwiegend fallbezogen, kontextabhängig und nur begrenzt institutionell standardisiert getroffen werden. Ein zentrales Spannungsfeld bildet die informierte Einwilligung. Gerade bei großen, automatisiert erhobenen Datensätzen ist ihre Einholung häufig praktisch kaum umsetzbar, wodurch alternative Schutzmaßnahmen wie Anonymisierung und Aggregation an Bedeutung gewinnen. Weitere Herausforderungen betreffen sensible Forschungsgegenstände, belastendes Material, mögliche Re-Identifizierungen und den Umgang mit nachträglich gelöschten Daten. Die Perspektive der Nutzenden verdeutlicht zugleich, dass die wissenschaftliche Verwendung ihrer Daten nicht pauschal akzeptiert wird, sondern unter anderem vom Forschungszweck, dem Grad der Anonymisierung und der Transparenz der Datennutzung abhängt.

Im Buch werden bestehende Modelle forschungsethischen Entscheidens weiterentwickelt und die empirischen Ergebnisse in konkrete Orientierungshilfen und Lehrmaterialien überführt. Damit richtet sich das Buch an Forschende und Studierende der Kommunikations- und Medienwissenschaft, insbesondere bei der Durchführung eigener Inhaltsanalysen von Daten aus sozialen Medien, sowie an alle, die sich mit der verantwortungsvollen Gestaltung empirischer Forschung im digitalen Raum befassen.

Eva-Maria Roehse (geb. Csonka), Jg. 1992, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studiengangskoordinatorin für Wissenschaftsjournalismus am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Sie absolvierte den Bachelor und Master „Kommunikationswissenschaft“ am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster. Sie promovierte von 2021 bis 2026 am Institut für Journalistik der TU Dortmund am Lehrstuhl für Online- und Printjournalismus. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich Forschungsethik, Wissenschaftskommunikation und Journalismusforschung (insbesondere Lokaljournalismus).

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