Mediennostalgie – Die neue Sehnsucht nach dem Gewohnten

Vortrag von Dr. Manuel Menke am 5. Dezember 2018 um 19 Uhr

Mediennostalgie – Die neue Sehnsucht nach dem Gewohnten

Nostalgie ist viel mehr als die Sehnsucht nach dem Vergangenen. Sie gibt Halt in einer Zeit des kontinuierlichen Wandels in der Gesellschaft und in unseren Lebenswelten. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der zunehmenden Durchdringung des Alltags mit Medien, ist auch der Medienwandel ein maßgeblicher Auslöser für das Auftreten nostalgischer Gefühle.

Den kollektiven Umgang mit Medien- und Gesellschaftswandel beleuchtet Manuel Menke unter dem Begriff ‘Mediennostalgie’. Er untersucht gemeinsames nostalgisches Erinnern an frühere Medieninhalte, -technologien und -kulturen in digitalen Öffentlichkeiten als eine Form der Bewältigung von belastenden Wandelerfahrungen. Er legt dar, wie sich um diesen öffentlichen Austausch digitale Erinnerungsgemeinschaften bilden, in denen geteilte Medienerfahrungen der Vergangenheit zu kollektiven Identitätsankern werden, die bestimmte Lebensgefühle, Werte und Normen ihrer Zeit verbinden. Im gemeinsamen nostalgischen Umgang mit Wandel suchen die Mitglieder emotionales Wohlbefinden.

Nostalgie wird dafür in diesem Kontext erstmals als gesellschaftliches Phänomen öffentlicher Kommunikation theoretisiert. So steht Mediennostalgie für eine Sehnsucht nach dem Liebgewonnenen und Bedeutungsvollen, die durch diesen Wandel für manche verloren gegangen sind.

In seinem Vortrag wird Dr. Manuel Menke darstellen, wie sich im öffentlichen Austausch digitale Erinnerungsgemeinschaften bilden und warum Nostalgie nicht mit einer stumpfen Abkehr von der Gegenwart gleichgesetzt werden sollte. Vielmehr findet sie kreativen Ausdruck in kommunikativen Erinnerungspraktiken und regt zur Partizipation an öffentlichen Diskursen über Wandel an: Das sind wichtige Voraussetzungen, um sich gesellschaftlich über ein gutes Leben unter Wandelbedingungen zu verständigen.

Für seine Dissertation Mediennostalgie in digitalen Öffentlichkeiten. Zum kollektiven Umgang mit Medien- und Gesellschaftswandel erhielt Dr. Manuel Menke 2016 den Herbert von Halem Nachwuchspreis. Das Buch erscheint im Dezember 2018.

Bitte melden Sie sich an: Karina.selin@halem-verlag.de

VORTRAGENDE / DISKUTANTEN

Manuel Menke

Manuel Menke, Jg. 1985, Dr., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2011 bis 2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien, Wissen und Kommunikation (imwk) an der Universität Augsburg. 2017 Abschluss der Promotion. Studium der Publizistik und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2012 als Sprecher in nationalen und internationalen Nachwuchsnetzwerken engagiert und seit 2017 stellv. DGPuK-Nachwuchssprecher. Mitbegründer des seit 2015 bestehenden International Media and Nostalgia Networks (IMNN). Preisträger des Herbert von Halem Nachwuchspreises 2016. Forschungsschwerpunkte:  Medien- und Öffentlichkeitswandel, digitale Öffentlichkeiten und Social Media, Mediennostalgie und digitales Erinnern, Journalismus- und Medieninhaltsforschung, Medien und finale Lebensphase. ...