Frauen im deutschen Film und Fernsehen – oder auch nicht.

Elizabeth Prommer spricht bei den Kölner Mediengesprächen über ihre zusammen mit Christine Linke im Herbert von Halem Verlag veröffentlichte Studie "Ausgeblendet. Frauen im deutschen Film und Fernsehen".


Von Julian Pitten am 1. Oktober 2019

Frauen im deutschen Film und Fernsehen – oder auch nicht.

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist ein sehr aktuelles und wichtiges Thema in unserer modernen Gesellschaft. Dass es auf diesem Gebiet immer noch Verbesserungsbedarf gibt, darüber sind sich die meisten einig. Eines wurde jedoch bisher kaum untersucht: Die extreme Unterrepräsentation von Frauen im deutschen Film und Fernsehen. Diese Forschungslücke haben Prof. Dr. Elizabeth Prommer und Dr. Christine Linke mit einer von Maria Furtwängler initiierten Studie zu schließen begonnen, die jüngst unter dem Titel Ausgeblendet. Frauen im deutschen Film und Fernsehen veröffentlicht wurde.

Während der Kölner Mediengespräche am 26. September, die dieses Mal in Zusammenarbeit mit den Digital Media Women (https://digitalmediawomen.de/) organisiert wurden, stellte Elizabeth Prommer die Ausgangslage und die zentralen Ergebnisse der Studie vor. Es wurden folgende 5 Ausgangsfragen gestellt:

1. Wie präsent sind Frauen und Männer auf deutschen Fernsehbildschirmen und Kinoleinwänden?
2. Wie alt sind Frauen und Männer im Fernsehen und im Kino?
3. In welchen Funktionen sind Frauen und Männer sichtbar?
4. Wie sieht es im Kinderfernsehen aus?
5. Spielt es eine Rolle, wer unser Fernsehen macht?

Die Ergebnisse sind eindeutig:
Frauen sind deutlich seltener Protagonistinnen (in fiktionalen Fernsehprogrammen wie Spielfilmen und Serien) bzw. Hauptakteurinnen (in non-fiktionalen Sendungen wie Nachrichten). Sie sind in diesen Rollen nur in 33% der untersuchten Filme und Sendungen zu sehen. Eine Ausnahme bilden hier Soaps und Telenovelas. Hier sind 52% der Hauptrollen weiblich (was auch in etwa die Verteilung von Frauen und Männern in der Bevölkerung widerspiegelt).

Auch im Kinderfernsehen sind weibliche Figuren drastisch unterrepräsentiert, sie machen nur etwa 25% aller Figuren aus. Aber nicht nur das: Prommer und Linke untersuchten auch die Darstellung geschlechtsspezifischer – vermeintlicher – Idealbilder (für Frauen besonders breite Hüften und eine schlanke Taille, für Männer hingegen ein schmales Becken und breite Schultern). Dazu berechneten sie für weibliche Figuren die “Waist-Hip-Ratio” (das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang) und für männliche Figuren die “Waist-Shoulder-Ratio” (das Verhältnis von Taillenumfang zu Schulterbreite). In der Wirklichkeit haben junge Mädchen diese für Frauen als typisch angesehenen Merkmale noch nicht entwickelt, ihre WHR liegt also bei 1 (weil Taille und Hüften etwa den gleichen Umfang haben). Bei einer durchschnittlichen erwachsenen Frau liegt die WHR etwa bei 0,8 (die Taille ist etwas schmaler als die Hüften). Im Kinderfernsehen sieht das ganz anders aus:
Hier werden selbst junge Mädchen mit einer schmalen Taille und breiten Hüften dargestellt. Ihre WHR liegt zu über 50% zwischen 0,4 und 0,67. Das bedeutet: Nicht nur weisen Mädchenfiguren die körperlichen Merkmale erwachsener Frauen auf, sondern diese werden derart ins Extreme gesteigert, dass sie in der Realität anatomisch unmöglich wären. Bei Jungenfiguren ist dies ganz anders: Hier liegen  75% im anatomisch möglichen Bereich, immerhin 49% weisen die für Jungen normale Waist-Shoulder-Ratio auf. Das zeigt: Mädchen und Frauen sind im Kinderfernsehen nicht nur quantitativ unterrepräsentiert, sondern werden qualitativ auch beunruhigend oft als sexualisierte Stereotype dargestellt.

Über diese und weitere Ergebnisse der Studie diskutierte Elizabeth Prommer nach ihrem spannenden Vortrag mit der Autorin und Dramaturgin Cornelia Köhler, Vorstandsmitglied des Business-Netzwerks Women in Film and Television (WIFT) Germany (www.wiftg.de) und der Moderatorin Bianca Grünert, sowie dem zahlreich erschienenen Publikum.