Wichtige Informationen zum Weltgeschehen und die allerneuesten Nachrichten erfährt man aus der Zeitung, täglich frisch oder wöchentlich mit Tiefe – so ist das längst nicht mehr und der Anteil der Online-User, die sich stattdessen im Netz zu brandaktuellen Themen informieren, wächst stetig.
Dr. Tobias Eberwein, seit diesem Jahr Vertretungs-Professor und zuvor Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik an der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut, hat sich in seiner jüngst erschienenen Dissertation Literarischer Journalismus. Theorie – Traditionen – Gegenwart mit dem Stilmittel Erzähljournalismus beschäftigt und wie dieser zu einem Rettungsanker für die deutsche Printbranche werden könnte.
Ein buntgemischtes Publikum folgte interessiert, als Tobias Eberwein am 28. November 2013 einen Vortrag zum Thema im Herbert von Halem Verlag hielt. Neben den Wurzeln des Literarischen Journalismus, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, verwies er auf die Popularität der Gattung in den USA, die dort mit Persönlichkeiten wie Tom Wolfe oder Hunter S. Thompson aufwarten kann. Doch was in den USA Usus ist, wird in Deutschland kritisch beäugt: zu groß sei im narrativen Journalismus die Gefahr eines unseriösen Eindrucks und zu nahe lägen Dichtung und Wahrheit beieinander. Dabei kann man auch hierzulande auf eine Reihe bekannter Journalisten zurückblicken, die in der Tradition des Erzähljournalismus erfolgreich schrieben und schreiben – mit Theodor Fontane, Egon Erwin Kisch und Helge Timmerberg seien nur wenige genannt.

So klärte er neben den Alleinstellungsmerkmalen auch die Funktion und Struktur des Literarischen Journalismus und zeigte mögliche Entwicklungsperspektiven auf, die verdeutlichten, dass dieser sich um sein Fortbestehen keine Sorgen machen müsse – im Gegenteil könne er sogar dazu beitragen, dass gedruckte Medien mit Hilfe literarjournalistischer Wirkungsprinzipien eine neue Wertschätzung erlangen. Oder mit den Worten Wolf Lotters von brandeins: »Die beschreibenden, Literarischen Journalisten, […] die Geschichtenerzähler, haben eine wesentlich bessere Zukunft als die, die Fakten aufschreiben. Schlicht und ergreifend: weil sie Komplexitätsarbeiter sind. Das ist der Unterschied.«


