Brigitte Alfter bei den Kölner Mediengesprächen

"Grenzüberschreitender Journalismus" lautet der Titel von Brigitte Alfters jüngst im Herbert von Halem Verlag erschienenem Buch. Was damit gemeint ist, erläuterte die Autorin am Erscheinungstag, dem 6.12., unseren Gästen im Verlag.

Brigitte Alfter bei den Kölner Mediengesprächen

Brigitte Alfters Buch Grenzüberschreitender Journalismus wird durch seinen Untertitel als Handbuch zum Cross-Border-Journalismus ausgewiesen. Aber was ist “Cross-Border-Journalismus”? Wie die Autorin erläuterte, handelt es sich dabei um eine relativ neue und noch wenig erforschte journalistische Methode, bei der Journalisten aus verschiedenen Ländern gemeinsam und über Landesgrenzen hinweg – eben “cross-border” – zur selben Story recherchieren. Die Arbeit im internationalen Recherche-Team erleichtere es Journalisten einerseits, an Informationen zu gelangen, denn was ein Journalist nicht selbst vor Ort recherchieren kann, das kann er dank internationaler Vernetzung von den jeweiligen Kollegen vor Ort erfahren und es für die eigene Berichterstattung nutzen. Auch wird durch die internationale Zusammenarbeit das Aufzeigen überregionaler Zusammenhänge erleichtert.

Brigitte Alfter nennt jedoch noch weitere Vorteile der Methode: Durch Cross-Border-Journalismus können Ereignisse von internationaler Bedeutung stärker (manchmal auch überhaupt erst) in den Fokus der internationalen Politik rücken. Wenn einzelne Journalisten in ihren jeweiligen Medien über ein politisch brisantes Ereignis in ihrem Heimatland berichten, so mag dieses auf nationaler Ebene Wellen schlagen und in den Fokus der nationalen Politik rücken. Sind jene Journalisten jedoch weltweit mit anderen Kollegen vernetzt, die das Thema aufgreifen und in ihren eigenen Heimatländern publik machen, steigt die Chance, auch international, etwa auf EU-Ebene, ein Bewusstsein für die Thematik zu schaffen.

Brigitte Alfter - Kölner MediengesprächeAls ein Beispiel für erfolgreichen Cross-Border-Journalismus nennt die Autorin den sogenannten “Lux Leaks”-Finanzskandal von 2014. Der Staat Luxemburg hatte mehreren internationalen Konzernen äußerst günstige steuerliche Konditionen angeboten und so letztlich seine Nachbarländer um große Teile der ihnen zustehenden Steuereinnahmen gebracht. Dies gelangte erst durch die Arbeit des internationalen Journalistennetzwerks ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) ins Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit.

Ein weiterer Vorteil, den der Cross-Border-Journalismus bietet, betrifft die Schattenseiten der journalistischen Arbeit. Journalisten werden oft von Außen unter Druck gesetzt, im schlimmsten Fall sogar an Leib und Leben bedroht. Gegen solche Einflussnahme bietet der Cross-Border-Journalismus einen gewissen Schutz. Gegen einzelne Journalisten oder kleine, nur national operierende Gruppen können Drohungen oder gar Gewalt vielleicht erfolgreich sein, nicht so jedoch, wenn diese Journalisten international vernetzt sind und die Kollegen aus dem Ausland über alle Details ihrer Recherchen auf dem Laufenden gehalten haben. In so einem Fall sind die recherchierten Informationen bereits viel zu weit verbreitet, als dass jene, die sie unterdrücken wollen, noch die Chance dazu hätten. Dadurch wird es zwecklos, einzelne Journalisten unter Druck zu setzen.

Ein Problem des Cross-Border-Journalismus sieht die Autorin in der Finanzierung. Einfach ausgedrückt “lohnt” sich Cross-Border-Journalismus finanziell kaum. Die gemeinsamen Recherchen durchzuführen und die Ergebnisse zusammenzutragen, erfordert viel Zeit, Arbeit und auch Geld. Die Vergütung des fertigen journalistischen Produkts fällt dagegen zumeist eher gering aus. Die Journalistin und Dozentin Brigitte Alfter hofft in dieser Hinsicht auf den journalistischen Nachwuchs. Wenn sich immer mehr angehende Journalisten die Methode des Cross-Border-Journalismus aneignen (wozu die Autorin mit ihrem Werk gewiss beiträgt), wird diese immer mehr in den Arbeitsalltag übergehen und eine zumeist deutlich höhere Qualität des journalistischen Endprodukts mit sich bringen. Für diese Qualität, so hofft Alfter, werden künftige Verleger und auch Leser angemessen zu zahlen gewillt sein.