Der Besuch war angekündigt. Es sollte um die letzten Arbeiten an einem Manuskript gehen. Ich freute mich auf das Gespräch. Zunächst: freundlicher Smalltalk. Ich erzählte von einer spannenden Reise, die ich gerade unternommen hatte. Ob er einen Kaffee wolle. „Da sage ich selten nein!“ Ich verschwand in unserer kleinen Küche. „Ich habe nur Hafermilch. Laut Verpackungsaufschrift speziell für den Barrista.“ „Kein Problem! Wissen Sie eigentlich wieviel Hafer in Hafermilch eigentlich drin ist?“ So ging es weiter. Dann setzten wir uns an meinen Besuchertisch. Ich wollte anheben und das Manuskript ansprechen. Da verfinsterte sich das Gesicht meines Besuchers. „Ein Kollege sprach mich an und fragte, ob es Ihnen noch gut geht.“ „Wie bitte? Warum?“. „Ob es Ihnen noch gut geht.“ Und mit diesen Worten schob er mir den Ausdruck eines ReTweets hin, den ich am Vortrag gemacht habe. Es ging um das Zuckerberg-Video, das ich sehr spannend fand. Und ich begann langsam zu verstehen. Der Absender des ursprünglichen Tweets war falsch.
„Ich will wissen, ob man bei Ihnen noch journalistische Bücher verlegen kann. Ob man mit Ihnen noch zusammenarbeiten kann.“ Was dann folgte war eine inquisitorische Befragung. Ich brauchte eine Weile, um die Situation vollständig zu erfassen und machte ein paar Runden mit. Dann schmiss ich den Mann aus meinem Büro.
Am Nachmittag dachte ich noch lange über dieses Gespräch nach. Sie sind also wirklich wieder da! Dann schrieb ich die folgende E-Mail:
Lieber Herr ,
ich wünschte meine Erziehung und meine christlich-liberale Einstellung würde mich in die Lage versetzen, mich für Ihren Besuch im Verlag zu bedanken. Aber ich bin zu schwach. Der Zorn über Ihre zurschaugestellte Freundlichkeit mit anschließendem Verhör im Stasi-Duktus überwiegt.
Ich werde nicht näher auf dieses schreckliche Gespräch eingehen. Sie halten meine Meinung für nicht tragbar und ich kann nicht verstehen, dass Sie unter dem Deckmantel dessen, was Sie unter Journalismus verstehen, uns wieder ins Mittelalter führen wollen. Inquisition eingeschlossen.
Alles was ich tue, als Mensch, als Christ, als Bürger und auch als Verleger, tue ich mit dem Ziel, unseren Rechtsstaat, unsere Demokratie und unsere freiheitliche Gesellschaft zu schützen und zu fördern. Der von Ihnen in meinem Büro verbreitete Geruch des Gesinnungsterrors, der moralischen Überheblichkeit und dieser für mich nicht nachvollziehbaren, jeden sinnvollen Diskurs verunmöglichenden Sicherheit, im Alleinbesitz der Wahrheit zu sein, hat etwas Unheimliches. Er kommt aus Schächten, die ich lange für sicher verschlossen hielt.
[…]
Ich habe gelüftet.
Herbert von Halem
Ich meine, dass die Öffentlichkeit wissen sollte, dass diese Leute da draussen sind und ihr Unwesen treiben. Wir sollten uns ihnen stellen.
Stellungnahme vom 13. Januar 2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
in einem kürzlich veröffentlichten Blogpost (https://www.halem-verlag.de/besuch-eines-gesinnungsschnuefflers/) habe ich mein Entsetzen über eine Begegnung mit einem unserer Autoren in einer Weise zum Ausdruck gebracht, die zu Missverständnissen geführt haben könnte. Ich bedauere es sehr, wenn der Ton meines Blogposts als respektlos, unfair oder unverhältnismäßig wahrgenommen worden sein sollte.
Den oben durchgestrichenen Satz möchte ich daher zurücknehmen. Und mich dafür entschuldigen. Er ist im Kontext dieses Posts missverständlich und scheint sich nun, insbesondere da die Anonymisierung durch Herrn Haarkötter aufgehoben wurde, auf die Autoren des Verlags zu beziehen. Das war nicht gemeint.
Mein Anliegen war es, auf die Wichtigkeit eines offenen und fairen Diskurses aufmerksam zu machen, insbesondere in einer Zeit, in der Meinungsfreiheit und gegenseitiger Respekt essenziell für unsere demokratische Kultur sind. Leider habe ich dies in einer Form getan, die nicht meiner eigenen Überzeugung von respektvollem Miteinander entspricht.
Ich entschuldige mich dafür, dass meine Worte unangemessen gewirkt haben könnten, und hoffe, dass wir gemeinsam an einem konstruktiven Dialog gerade im Kreise unserer Autoren festhalten können – ganz bewusst und gezielt auch bei kontroversen Themen.
13.1.2025, H.H.
Anmerkungen: Gedächtnisprotokoll. Die E-Mail ist gekürzt. Die gelöschten Passagen lassen auf ein konkretes Projekt schließen, welches die Identität meines Besuchers verraten würde. Die Abbildung wurde mit Grok erstellt.


