Alexander Christian

Piktogramme

Tendenzen in der Gestaltung und im Einsatz grafischer Symbole

Als Verkehrszeichen der Globalisierung idealisiert sollen Piktogramme Orientierung bieten in einer Welt, in der selbst alltägliche Gebrauchsgegenstände schon längst nicht mehr aus sich selbst heraus verständlich sind: bei simplen Problemen, in welche Richtung eine Tür zu öffnen ist, ebenso wie bei komplexen Kommunikations- und Steuerungsprozessen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Diese interdisziplinäre Arbeit bietet eine empirische Standortbestimmung zur Gestaltung und Verwendung von Piktogrammen aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Ausgehend von den Ursachen, die einen kontinuierlichen Wandel von grafischen Symbolen bedingen, analysiert der Autor ein Aufkommen von Merkmalen der nonverbalen Kommunikation. Diese brechen mit dem Neutralitätsanspruch internationaler Standards und verändern die Bedingungen für eine erfolgreiche über Piktogramme vermittelte Kommunikation. Ihren vielfältigsten Ausdruck findet eine solche Emotionalisierung von Piktogrammen, die bis hin zu einer menschlichen oder anthropomorphen Personifizierung reicht, in den japanischen Characters. Zentral sind ihr Aufmerksamkeitswert, die Motivation zur Befolgung der angezeigten Regeln durch eine emotionale Ansprache, Imagebildung und Identitätsstiftung sowie die Orientierung auf eine spezifische Zielgruppe hin, wie etwa Kinder.

Auch wenn gerade personifizierte Piktogramme dies suggerieren, sind sie keine sprechenden Zeichen, denn ihre Bedeutungen müssen jeweils gelernt werden. Neben die konventionelle piktogrammatische Lesart tritt dabei häufig eine freiere und intuitive Interpretation. Dem erhofften einfacheren Verständnis und der verbesserten Wirkung stehen wiederum neue Missverständnisse gegenüber.

Inhaltsverzeichnis [Auszug]

1. Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Forschungsstand und Methodik
1.3 Theoretische Grundlagen

2. Über den Wandel von Piktogrammen
2.1 Piktogramme im Spannungsfeld zwischen Neutralitätsanspruch und Identitätsstiftung
2.2 Das ›International Symbol of Access‹
2.3 Zusammenfassung

3. Über Gruppierung, Kombination und Sequenzialität von Piktogrammen
3.1 Das Warnzeichen ›Warnung vor radioaktiven Stoffen oder ionisierender Strahlung‹
3.2 Das Warnzeichen ›Warnung vor ionisierender Strahlung – Zusatzsymbol‹
3.3 Kritik am neuen ergänzenden Warnzeichen zur Warnung vor ionisierender Strahlung
3.4 Abschließende Betrachtung des neuen ergänzenden Warnzeichens zur Warnung vor ionisierender Strahlung
3.5 Zusammenfassung

4. Atomsemiotik
4.1 Die Human Interference Task Force
4.2 Das Waste Isolation Pilot Plant
4.3 Abschlussbetrachtung zur Atomsemiotik
4.4 Das Protestzeichen ›ATOMKRAFT? NEIN DANKE‹
4.5 Das Friedenszeichen
4.6 Zusammenfassung

5. Mr. Yuk – Über den personifizierten Ekel in der Prävention von Vergiftungen
5.1 Emoticons
5.2 Von Isotype über moderne Piktogramme zu Characters
5.3 Gesichtsausdrucksforschung
5.4 Die Botschaft des Mr. Yuk-Aufklebers
5.5 Über die Wirksamkeit des Mr. Yuk-Aufklebers
5.6 Zusammenfassung

6. Emotionalisierung von Piktogrammen. Über die Wirkung von Augendarstellungen
6.1 Der Zusammenhang von Anonymität und kooperativem Verhalten
6.2 ›Watching Eyes‹ als präattentive Hinweise auf Beobachtung
6.3 Piktogramme zur Kennzeichnung von Videoüberwachung
6.4 Ein Auge mit Erinnerungsfunktion. Das Schweizer Piktogramm für Selbstkontrolle
6.5 Zusammenfassung

7. Gestik bei Piktogrammen vor dem Hintergrund ihres Anspruchs auf Neutralität
7.1 Gestik bei modernen Piktogrammen
7.2 Lichtzeichen bei Ampelanlagen für Fußgänger
7.3 Die Stopphand bei Ampelanlagen für Fußgänger in Nordamerika
7.4 Animation von Piktogrammen
7.5 Die Ausführung von Gesten – von der Stopphand zur Moutza-Geste
7.6 Das Verkehrszeichen ›Halt. Vorfahrt gewähren‹
7.7 Das Verkehrszeichen ›Verbot der Einfahrt‹
7.8 Das Verbotszeichen ›Für Fußgänger verboten‹
7.9 Exkurs: Die Darstellung von Bewegung bei Piktogrammen
7.10 Das Verbotszeichen ›Zutritt für Unbefugte verboten‹ – über Dynamik bei Piktogrammen
7.11 Das Verbotszeichen ›Berühren verboten‹
7.12 Piktogramme mit der Aufforderung ›Bitte berühren‹
7.13 Gebäudekennzeichnung: Türen ziehen oder drücken?
7.14 Über den Bedeutungswandel von Gesten
7.15 Zusammenfassung

8. Characters: Personifizierte Zeichen
8.1 Attrappen
8.2 Characters: ›Icons of American Culture‹
8.3 Kyara: Characters in Japan
8.4 Das Tokioter Polizeimaskottchen Pipo-kun
8.5 Ausdruckslose Characters
8.6 Zusammenfassung

9. Schlussbetrachtung

10. Literatur

AUTOREN / HERAUSGEBER

Alexander Christian

Alexander Christian, Jahrgang 1979, Studium der Kommunikationswissenschaft, Film- und Fernsehwissenschaft sowie Anglistik an der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Universidad de Málaga. Teilnahme an der VII. und X. Film Summer School in Locarno. Promotion im Fach Kommunikationswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Piktogramme, Otto Neuraths ISOTYPE, Atomsemiotik, interkulturelle Kommunikation. alexander.christian@stud.uni-due.de ...


Piktogramme
  • 2017
  • 576 S., 231 Abb.,
  • Broschur, 213 x 142 mm, dt.
  • ISBN 978-3-86962-243-9

  • 41,00 EUR
  • lieferbar

EBOOK (PDF)

ISBN 9783869622446
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