Kölner Mediengespräche: Über die Vorzüge und Nachteile der Live-Berichterstattung im Sport

Unsere Autorin Jana Wiske präsentierte im Rahmen der Kölner Mediengespräche am 9. November 2017 die Ergebnisse ihrer neu erschienenen Studie "Die Elite" und diskutierte anschließend fachkundig mit Felix Görner (RTL), Hanns-Christian Kamp (FAZ) und Herbert von Halem.


Von Julian Pitten am 10. November 2017

Kölner Mediengespräche: Über die Vorzüge und Nachteile der Live-Berichterstattung im Sport

„Sportjournalisten aus der Live-Berichterstattung nehmen innerhalb der Berufsgruppe eine Sonderstellung ein“. Es war dieser Eindruck, der die frühere kicker-Sportredakteurin Jana Wiske zur Durchführung ihrer Studie veranlasste. Sie führte eine umfassende Befragung unter Deutschlands Sportjournalisten durch und wertete die aus über 1.000 Fragebögen gewonnenen Daten aus. Die Ergebnisse dieser Befragung finden sich in ihrem neu im Herbert von Halem Verlag erschienen Buch Die Elite. Die Bedeutung der Live-Berichterstattung im deutschen Spitzensport aus der Sicht von Sportjournalisten und stützen ihre Kernthese: Immer mehr Sportjournalisten berichten live, besonders im Radio, im Fernsehen und online. Dementsprechend wird eine crossmediale Ausbildung immer wichtiger, um all diese Medien bedienen zu können. Auch sehen die Live-Journalisten im Sport deutlich optimistischer in die Zukunft, als ihre nicht live arbeitenden Kollegen; die meisten würden sich wieder für den Beruf entscheiden. 

Die Studie stellt unter anderem auch heraus, dass ein Großteil der Sportjournalisten die Live-Berichterstatter zwar als kompetent erachtet, zum Teil gelten sie innerhalb der Redaktionen jedoch auch als abgehoben, privilegiert und unbeliebt.

Anhand ihrer Ergebnisse entwickelt Jana Wiske ein neues Image-Modell der Sportjournalisten: TV- und Online-Journalisten berichten am meisten live und profitieren folglich von der wachsenden Bedeutung der Live-Berichterstattung. Wiske sieht in ihnen „die Elite“ der Sportjournalisten, während die Live-Journalisten aus Radio, Zeitung und Agentur die „Etablierten“ sind. Immer mehr zu „Außenseitern“ werden hingegen Magazin-Journalisten, da es in den meisten Magazinen keine oder nur wenig Live-Berichterstattung gibt.

Nach einer kurzen Präsentation der wichtigsten Ergebnisse der Studie durch Jana Wiske hatte unser zahlreich erschienenes Publikum Gelegenheit, neben der Autorin zwei weitere Fachleute zur Thematik zu hören:
Dr. Felix Görner vom TV-Sender RTL und Hanns-Christian Kamp von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diskutierten mit Jana Wiske und Herbert von Halem zahlreiche Fragen rund um das Thema Live-Berichterstattung im Sport. Wiske, Görner und Kamp waren sich darin einig, dass es immer schwieriger werde, Live-Kontakte zu Spitzensportlern herzustellen, da der Zugang zu diesen immer stärker durch Pressestellen und PR-Berater reglementiert werde. Zudem würden die Sportler selbst immer stärker auf Interviews vorbereitet, was es erschwere, authentische Äußerungen und Reaktionen der Sportakteure einzufangen. Genau diese wolle das Publikum jedoch sehen. Kamp sieht eine besondere Herausforderung darin, hinter diese durch PR-Berater erzeugten Fassaden zu blicken.

Görner bestätigte zudem, was auch Wiskes Studie belegt: dass die Möglichkeit, live an den Sportlern und den Events dran zu sein, eine starke Motivation sein kann. Allerdings, so Görner weiter, könne zuviel Nähe der Berichterstattung auch schaden.

Geteilter Meinung waren die Diskutanten beim Thema der Vorbereitung auf die Live-Berichterstattung: Während Wiskes Befragung von Sportjournalisten ergab, dass zuviel Vorbereitung der Live-Berichterstattung eher schadet und zu Lasten der Spontaneität geht, bekannte Görner freimütig, ein „Vorbereitungs-Fetischist“ zu sein. Gründliche Vorbereitung könne einem Live-Journalisten helfen, wenn das Sport-Event selbst einmal nicht so spannend sei und sich weniger spontane Fragen ergäben. Print-Journalist Kamp sieht es als Vorteil an, dass er nicht unmittelbar live berichtet. So habe er Gelegenheit, zuerst das gesamte Sportevent zu sehen und dann seine persönlichen Eindrücke zu schildern.

TV-Journalist Görner sieht sich außerdem nicht als Teil einer „Elite“, womit seine persönliche Einschätzung dem von Wiske entwickelten Image-Modell zuwiderläuft. Vielmehr könnten sowohl Print als auch TV ihre eigenen Eliten hervorbringen. Sowohl Kamp als auch Görner äußerten die Meinung, dass live berichtende TV-Journalisten ihren nicht live berichtenden Printkollegen gegenüber nicht immer im Vorteil seien. Görner erklärte, seine Berichterstattung sei sehr stark von wirtschaftlichen Aspekten, wie zum Beispiel Senderechten, abhängig, während Kamp die Möglichkeit von Printmedien hervorhob, genau diese Einflüsse der Wirtschaft auf die TV-Berichterstattung zum Gegenstand ihrer eigenen Berichterstattung zu machen.

Die letzte Frage des Abends ging an Jana Wiske: Welchen Rat kann sie den zahlreich im Publikum anwesenden Studenten für deren künftige Karrieren im Journalismus mit auf den Weg geben? Ihre Antwort: „Stellen Sie sich möglichst crossmedial auf.“

Wir danken Jana Wiske, Felix Görner und Hanns-Christian Kamp für ein äußerst interessantes, umfangreiches Podiumsgespräch!