Rezensionen in der Publizistik


Von Herbert von Halem am 10. Oktober 2007

In der aktuellen Ausgabe der Publizistik (3/2007) werden drei unserer Publikationen besprochen.

Uwe Hartung schreibt über Steffen Burkhardts Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse:

Anzuzeigen ist ein Grundlagenwerk zum Skandal, das ein umfassendes und engmaschiges Netz in die zeitgenössische Medien- und Kommunikationstheorie wirft, um den gesamtgesellschaftlichen Nutzen von Skandalen zu verdeutlichen. […] Ein Fazit zu ziehen, ist schwierig. […] Vielen Beobachtungen und Analysen kann [der Rezensent] zustimmen […]. An zentralen Punkten neigt er aber eher zum Fragezeichen, wie beim Sinn des Begriffs des Medienskandals. Und eine der Schlussfolgerungen der Studie, dass die Gesellschaft Skandale braucht, weil die Menschen „über die Skandalisierung in relativ einfachen Geschichten […] für die gesellschaftliche Kommunikation zentrale Informationen [darüber] erhalten“ (S. 340), „was alles böse ist“ (S. 402), reizt den empirisch orientierten Forscher ebenso wie den Medienkritiker: Welche Informationen erhalten die Menschen denn tatsächlich? Wie verarbeiten sie sie, und wie machen sie sie alltagstauglich? Und stimmen diese Informationen? Sind sie relevant oder gäbe es bessere, zweckdienlichere Geschichten? Welchem Nutzen dienen sie? Mag sein, dass solche Fragen den Ansatz Burkhardts sprengen. Zu stellen sind sie aber dennoch.

Bild und Medium von Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.) überzeugt Thomas Petersen erst ab der Mitte:

Erst in der zweiten Hälfte des Bandes, in der auch andere Disziplinen zu Wort kommen, wird die Lektüre anregend, weil sich nun jene Wechselwirkung zwischen den Beiträgen einstellt, die einen gelungenen Sammelband kennzeichnet. Die Beiträge ergänzen sich zwar nicht in dem Sinn, dass sie gegenseitig aufeinander Bezug nehmen, doch derselbe Gegenstand wird aus immer neuen, oft überraschenden Blickwinkeln beleuchtet. Da erläutert der Informatiker Jörg Schirra, warum man sich mit Sprache befassen muss, wenn man Bilder untersuchen will, die Pädagogen Stephan Schwan und Carmen Zahn führen vor, wie man mit empirischen Studien lang tradierte kunstwissenschaftliche Thesen über die Wirkung von Bildelementen korrigieren kann, und warum man machmal weniger das Bild selbst als seinen Betrachter studieren muss, um über das Bild etwas zu erfahren, die Kommunikationswissenschaftler Klaus Forster und Thomas Knieper präsentieren Beispiele für experimentelle Bildwirkungsforschung. Auch in diesem Teil des Bandes gibt es den einen oder anderen schwächeren Beitrag, doch alles in allem ist die Lektüre inspirierend und lehrreich […]

Nach der Lektüre von Das Kino der Gesellschaft – die Gesellschaft des Kinos von Manfred Mai und Rainer Winter (Hrsg.) findet Rezensentin Eva Flicker:

Die Qualität des Sammelbandes liegt vielmehr darin, einige Standardthemen der Filmsoziologie so zu bündeln, dass sie durchaus voraussetzungsreich den Stand folgender Debatten zusammentragen: „Künstlerische Autonomie und soziokulturelle Einbettung“ (Manfred Mai), „Filmgeschichte als Geschichte der Sinnzirkulation“ (Lorenz Engel), „Einheit von Bild und Ton – zu einigen Grundlagen der Filmanalyse“ (Angela Keppler), „Filmtheorie und die Herausforderung durch den ‚perversen Zuschauer'“ (Rainer Winter), „Film und Fankulturen“ (Lothar Mikos), „Paare in Spielfilmen – Paare im Alltag“ (Karl Lenz), „Film und Identität – ein psychoanalytisch-kulturtheoretischer Zugang“ (Brigitte Hipfl). […] In der multidisziplinären Sammlung und qualitativen Heterogenität des Buches liegt auch sein Charme.