Rezension zu “Das Selbstgespräch der Zeit”, Thomas Birkner

aus m&k Medien&Kommunikationswissenschaft 4/2012

Carsten Brosda hat für Medien&Kommunikationswissenschaft, Ausgabe 4/2012, eine lobende Rezension zu Thomas Birkners Band Das Selbstgespräch der Zeit. Die Geschichte des Journalismus in Deutschland 1605-1914  verfasst:

Die Klage darüber, dass eine umfassende Geschichte des deutschen Journalismus bis heute ein Desiderat sei, gehört beinahe zur Folklore der Journalismusforschung. Das dürfte sich künftig ändern, denn Thomas Birkner ist in seiner Dissertation “Das Selbstgespräch der Zeit – die Geschichte des Journalismus in Deutschland 1605-1914” das gelungen, was allerorten gefordert wird: ein historisch informierter Überblick über die Genese und die Entwicklung des professionellen Journalismus in Deutschland von der ersten Zeitung bis zum endgültigen Durchbruch einer professionell gestalteten Massenpresse im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. […] Birkner schildert anschaulich den verworrenen Weg von der ersten Publikation des Druckers Johann Carolus 1605 [in] Straßburg über stilprägende Publikationen wie den Hamburgischen unparteyischen Correspondenten, Cottas Allgemeine Zeitung, die Kölnische Zeitung oder die Vossische Zeitung bis hin zur Generalanzeiger-Presse […] Er systematisiert seine konzise Darstellung durch gleich mehrere Ordnungsraster. […] Birkner gelingt es durch diese[s] Raster, das Buch chronologisch und damit intuitiv rezipierbar zu gestalten und dennoch gleichzeitig eine systematische Analyse vorzunehmen, die weit über eine rein genealogische Darstellung hinausreicht. Eine wesentliche Stärke der Studie ist, dass sie sich nicht auf Oberflächenbeschreibungen veränderter Produktionsstrukturen beschränkt, sondern gleichermaßen immer auch “den gesellschaftlichen Sinnzusammenhang, in welchem sich Journalismus entwickeln kann” (S. 35), mit in den Blick nimmt. […] Birkner flicht in seiner umfassenden Darstellungen [sic] einzelne Vignetten und gesellschaftliche Großtrends ebenso zusammen wie ökonomische, soziologische und politische Betrachtungen, von denen jede für sich ein einzelnes Buch gerechtfertigt hätte. Diese beherzte Aggregation und Konzentration machen das Buch zu einem lesenswerten Parforceritt durch 300 Jahre Journalismusgeschichte – vom ersten 30-jährigen Krieg, der den Aufstieg des Journalismus erzwang, bis zum Ausbruch des zweiten, sogenannten 30-jährigen Kriegs des 20. Jahrhunderts, der den gerade voll entfalteten modernen Journalismus wieder unter erheblichen Druck setzte. Im Epilog weist Thomas Birkner darauf hin, dass die Geschichte des Journalismus nach 1914 ebenfalls noch zu schreiben sei. Es bleibt zu wünschen, dass er Bedingungen und Gelegenheit finden wird, auch dieses Buch in derselben Systematik und Gründlichkeit anzugehen. Nötig wäre es.