Neue Ringvorlesung der Tübinger Medienwissenschaft


Von Karina Selin am 25. Mai 2011

Der Skandal in der Politik – PR-Berater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle über den Medienhype in Berlin und die neuen Bedingungen für die Krisenkommunikation.

Täglich neue große und kleine Affären, Politiker unter Rechtfertigungsdruck, Krisen und Skandale. Zahlreiche Journalisten arbeiten heute im Regierungsviertel von Berlin auf der ständigen Suche nach Neuigkeiten, Atemlosigkeit und Konkurrenzdruck nehmen im Zeitalter der blitzschnellen Informationsübermittlung zu. Ein Wettrennen um die aufregendste Enthüllung, das laut Schmidt-Deguelle inzwischen groteske Züge angenommen hat und zu einer “Atomisierung des journalistischen Diskurses” führt: “Es werden Krisen benannt oder herbeigeschrieben, die oft keine sind. Es werden Probleme aufgebauscht, die längst einem Lösungsprozess zugeführt sind. Es werden Affären und Skandale erfunden, für die es keinerlei seriöse Quellen gibt.”

Der ehemalige VOX-Chefredakteur und Berater des Bundeskanzleramtes, heute Vorstandsmitglied einer Beratungsfirma, Klaus-Peter Schmidt-Deguelle analysiert in seinem Vortrag am kommenden Donnerstag die Veränderungen des Journalismus und zeigt an Beispielen, wie ein professionelles Krisenmanagement agieren sollte. Laut seiner These werden aktuelle Berliner Medienentwicklungen und die besonderen Bedingungen für die Krisenkommunikation wie unter einem Brennglas sichtbar. Nachrichten seien längst zur Ware geworden und den schonungslosen Gesetzen des Informationsmarktes unterworfen.

Der Vortrag ist öffentlich und findet im Rahmen der medienwissenschaftlichen Ringvorlesung “Der Skandal und die Medien” statt, Interessierte sind herzlich willkommen! Der Termin: Donnerstag, 26. Mai 2011, 18.15 bis 19.45 Uhr, Ort: Kupferbau, HS 22, Hölderlinstraße 5, 72074 Tübingen.