Hans Ulrich Reck

Ritualkunst zwischen Kult und Museum

Dissonante Ästhetiken am Beispiel Afrikas

edition KHM, Band 1

Mit einem Beitrag von Christine Bruggmann Hommage an Afrika

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts setzt in den bildenden Künsten eine Aufbruchbewegung ein, die einige Jahrzehnte später zur Auffassung verfestigt wird, Kunst sei einer permanenten Welterfindung verpflichtet und müsse bedingungslos innovativ sein. Die Praktiken der Kunst werden konzeptuell, Künstler suchen und testen Entwürfe für neue Wirklichkeiten – Paradiese und Höllen gleicherweise. Jeden Tag eine neue Sprache erfinden, eine neue Welt, ist das Motto spätestens seit Arthur Rimbaud. Die Sehnsucht nach einem Archaischen und ›Wilden‹ erweist sich dabei zwangsläufig als Konstruktion eines Fremden, eines Blicks von außen, der aus dem historischen Verlust heraus umso heftiger die Attraktivität einer Aura ersehnt, die kulturell längst zersetzt worden ist – Imaginationen einer verlorenen Welt.

Der schroffe Gegensatz der seit 1906 intensiv erschlossenen archaischen oder wilden Kunst zu den bisherigen gebändigten, konventionalisierten künstlerischen Praktiken im Rahmen der Zivilisation und ihrer akademischen Disziplinierung ist bemerkenswert. Die experimentierenden Protagonisten verschreiben sich der Sehnsucht nach dem archaisch Realen, versuchen Tiefenschürfungen an einer nicht länger zivilisatorisch verstellten Kreativität. Sie zielen auf grenzenlose Erregungen, für die Exotisierung und Unterwerfung eines ›Fremden‹ bedenkenlos in Kauf genommen werden, das indifferent erscheint, sofern es nicht ästhetisch gepriesen werden kann. Die internen kulturellen Bedingungen der fremden Künste, besonders ihre Verflochtenheit mit Magie und Ritual, werden bewusst ignoriert und ohne jegliche Bedenken oder Vorbehalte für eine Erneuerung der eigenen ästhetischen Ausdruckskraft in Dienst genommen.
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In der vorliegenden Publikation wird der gesamte Problembestand im Themenkomplex einer zivilisatorischen Annektierung ritueller Kreativität umrissen. Die Kunstgeschichte dieser Verschiebung wird erläutert mittels Einbezugs von Künstlertheorien, einer ästhetischen Kritik der Avantgardekunst, aber auch der Philosophie des künstlerischen wie – genereller – des kreativen Schaffens.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Hans Ulrich Reck

Hans Ulrich Reck, geb. 1953, Prof. Dr. phil. habil., Philosoph, Kunstwissenschaftler, Publizist, Kurator. M.A. 1976, Dr. phil. 1989, Habilitation/venia legendi für ›Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaften‹ 1991. Seit 1995 Professor für Kunstgeschichte im medialen Kontext an der Kunsthochschule für Medien in Köln, davor Professor und Vorsteher der Lehrkanzel für Kommunikationstheorie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (1992-1995), Dozenturen in Basel und Zürich (1982-1995). Seit April 2014 Rektor der Kunsthochschule für Medien Köln, seit April 2016 Sprecher der Rektorenkonferenz der ...


Ritualkunst zwischen Kult und Museum
  • 2017,
  • 432 S., 163 Abb.,
  • Broschur, 240 x 170 mm, dt.
  • ISBN 978-3-86962-230-9

  • 54,00 EUR
  • lieferbar

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