Phoebe Maares / Folker Hanusch

Zwischen ›natürlichem‹ Bild und ›Eye-Catcher-Moment‹: Zur Relevanz visueller Authentizität für professionelle Instagram-Mikroblogger*innen

Plattformen wie Instagram oder YouTube gewinnen zunehmend an Relevanz für die Verbreitung und Nutzung von Lifestyle-Themen und ermöglichen einigen Nutzer*innen, sogenannten >Influencer*innen<, finanzielle Sicherheit. Je mehr (Mikro-)Blogger*innen jedoch von diesem Einkommen abhängig sind, desto öfter greifen sie auf Praktiken der Selbstvermarktung zurück und stehen damit vor einem Dilemma. Sie unterscheiden sich durch ihre Bekanntheit und ihr Einkommen oft stark von ihren Follower*innen, müssen aber dennoch ›normal‹ und ›gewöhnlich‹ wirken. Als Reaktion greifen sie auf narrative Konstruktionen von Intimität, Transparenz, Leidenschaft und vor allem Authentizität zurück. Auf Basis von 19 Leitfadeninterviews beschäftigt sich dieser Beitrag damit, wie wichtig Authentizität für professionelle Instagram-Mikroblogger*innen ist, wie sie diese zu erreichen versuchen, welche Bedeutung visuelle Aspekte hierbei haben und welche strukturellen Einschränkungen ihnen dabei begegnen. Es wurden fünf Dimensionen der Authentizitätsarbeit identifiziert, von denen zwei explizit visuelle Praktiken benennen: Qualität der Fotos, roter Faden der Bildsprache und Themensetzung, Qualität der Community-Pflege, Transparenz in Kooperationen und Authentizität als Form von ›sich treu bleiben‹. Außerdem fokussierten die Befragten auf Ebene der strukturellen Einschränkungen vor allem auf Aspekte der mangelnden Adaptierbarkeit der Plattform und der damit einhergehenden (Un-)Sichtbarkeit von Inhalten. Hierbei werden verschiedene Herangehensweisen diskutiert, die den Algorithmus umgehen sollen, aber konträr zu ihren Vorstellungen von Authentizität stehen. Damit trägt der Beitrag zu einem tieferen Verständnis der komplexen Beziehung von Authentizität, Self-Branding und Selbständigkeit im digitalen Zeitalter bei.

[Between ›natural‹ image and ›eye-catcher moment‹: The relevance of visual authenticity for professional micro-bloggers on Instagram]

Platforms such as Instagram or YouTube are increasingly relevant for the production and dissemination of lifestyle content and provide financial security for a particular group of users, so-called influencers. However, the more (micro-)bloggers depend on this income, the more they resort to self-marketing practices, which results in a dilemma. They increasingly differ from their followers in terms of public recognition and income, but they must still appear ›normal‹ and ›ordinary‹. In response, they resort to narratives of intimacy, transparency, passion and, above all, authenticity. Based on 19 in-depth interviews, this chapter explores the importance of authenticity for professional Instagram micro-bloggers, how they try to achieve it, the relevance of visual aspects, and the structural limitations they face. The study identifies five dimensions of authenticity work, two of which explicitly refer to visual practices: the quality of the photos, consistency in topics and visual language, the quality of engagement with the community, transparency in cooperation and, lastly, authenticity as a form of >staying true to oneself<. Moreover, at the level of structural limitations, respondents focus primarily on aspects of the platform's lack of adaptability and, thus, the (in)visibility of their content. Here, various methods to game the algorithm, which often contradict their notions of authenticity, are discussed. This chapter contributes to a deeper understanding of the complex relationship between authenticity, self-branding and independence in the digital age.