Evelyn Runge

Zwischen ›Bildproduktionsmaschine‹ und dem ›geilsten Job auf der Welt‹: Die Produktionsbedingungen von Fotojournalist*innen, Fotoredakteur*innen und Fotoproduzent*innen in Deutschland

Der Beitrag stellt ausgewählte Ergebnisse einer explorativen Studie vor. Ziel war, Expert*innenwissen über die Transformation des Berufsfeldes Fotojournalismus im digitalen Zeitalter zu erschließen und Gemeinsamkeiten an den Schnittstellen zwischen den genannten Berufsgruppen aufzuspüren: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen von Fotojournalist*innen, Fotoredakteur*innen und Fotoproduzent*innen aus – sowohl auf die einzelnen Berufe als auch in ihrem Zusammenspiel als Akteur*innen des globalen Bildermarktes? Je Berufsgruppe werden zwei bis drei zentrale Motive herausgearbeitet, die von den Fotojournalist*innen, Fotoredakteur*innen und Fotoproduzent*innen als Herausforderungen wahrgenommen werden. Beispielsweise müssen Fotoredakteur*innen pro Tag tausende Bilder sichten, diverse Arbeitsstationen je nach Ressorts organisieren und mit unterschiedlichen Wertvorstellungen der Textredakteur*innen umgehen. Für Fotojournalist*innen hat die Digitalisierung viele neue Aufgaben gebracht, bei stetig sinkenden Honoraren: Ohne eine Diversifizierung ihres Angebots auch in den PR- und Lehrbereich hinein, wäre es für die wenigsten möglich, vom Journalismus zu leben. Obwohl die vorliegende Literatur dazu tendiert, Fotojournalismus und Stockfotografie als verschiedene Sphären zu betrachten, zeigen die Forschungsergebnisse doch Schnittmengen: Ein indirektes Konkurrenzverhältnis liegt vor, wenn Fotoredaktionen per Budget darüber entscheiden, Bilder aus einer abonnierten Agentur zu verwenden, statt eine*n Fotojournalist*in zu beauftragen. Der Beitrag zeigt, dass das Berufsfeld Fotojournalismus in der Visuellen Kommunikationsforschung gestärkt werden sollte, um Dynamiken und Transformationen durch die Digitalisierung in Produktion, Distribution und Machtstrukturen des Bildjournalismus zu verstehen.

[Between being an ›image production machine‹ and having the ›hottest job in the world‹: The production conditions of photojournalists, photo editors, and photo producers in Germany]

This article presents selected results of an explorative study: How does digitalization affect the working and production conditions of photojournalists, photo editors and photo producers – both in the individual occupations and in their interaction as actors in the global photo market? The study highlights expert knowledge about the transformation through digitalization of the professional field of photojournalism and identifies similarities at the intersection between the occupational groups. For each group, two to three motifs were perceived as central challenges for photojournalists, photo editors and photo producers. For example, photo editors must sight thousands of pictures per day, organize various workstations and deal with different values of the text editors. For photojournalists, digitalization has resulted in many new tasks, despite of constantly decreasing fees: Without a diversification into PR and teaching, it would be impossible for most of them to make a living purely from photojournalism. Although the existing literature tends to regard photojournalism and stock photography as different spheres, the results of the research nevertheless show intersections: An indirect competitive relationship exists when photo editors decide by budget to use images from a subscribed agency instead of assigning a photojournalist. The article also shows that visual communication research should intensify the research of photojournalism in order to understand dynamics and transformations in production, distribution and power structures of photojournalism caused by digitalization.