Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht

Pressemitteilung vom 12. Januar 2016

Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht

Menschen sind rationale Wesen. Sie können vernunftgesteuert handeln. Legt man nur alle relevanten Fakten auf den Tisch, können sie diese objektiv gegeneinander abwägen und entscheiden, was zu tun ist – ob beispielsweise ein politisches Vorhaben unterstützt werden soll oder nicht. So denken viele Menschen, so haben wir es gelernt – und dieser Idee sitzen bis heute viele Journalisten, Meinungsforscher und Politiker mitsamt ihren Wahlkampfberatern auf. Doch die moderne Neuro- und Kognitionsforschung hat die ›klassische Vernunft‹ längst zu Grabe getragen.

Nicht Fakten bedingen unsere politischen Entscheidungen, sondern kognitive Deutungsrahmen, in der Wissenschaft Frames genannt. Sie werden über Sprache im Gehirn aktiviert und zugleich gefestigt. Und sie bestimmen, welche Fakten vom Gehirn als wichtig erkannt und welche ignoriert werden. Frames sind also ideologisch selektiv, sie bewerten und interpretieren. Sind sie erst einmal über Sprache in unseren Köpfen aktiviert, leiten sie unser politisches Denken und Handeln an. Und zwar ohne, dass wir es merken. In der Kognitionsforschung ist man sich daher schon lange einig: Sprache ist Politik.

Höchste Zeit also, unsere Naivität gegenüber der Bedeutung von Sprache in der Politik abzulegen. Dieses Buch legt dazu den Grundstein.

Die Autorin Elisabeth Wehling deckt leicht verständlich auf, wie sich Sprache auf unser Denken und Handeln auswirkt, und macht deutlich, wieso es für einen gesunden demokratischen Diskurs unabdingbar ist, die Bewertungen von Gesellschaft und Politik durch vorherrschende Frames mit den eigenen Wertvorstellungen abzugleichen. Danach wendet sie sich einer schonungslosen Analyse der Frames in unseren Debatten zu – wie etwa jenen über Steuern, Sozialstaat, Arbeit, Terrorismus, Flüchtlingspolitik und Umwelt – und gewährt dabei überraschende Einblicke in unser kollektives politisches Sprechen und Denken.

Mit einem Vorwort von Erhard Eppler, ehemaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (SPD), politischer Vordenker und Autor.

Stimmen zum Buch

»Progressive Politik braucht progressive Sprache. Das zeigt Elisabeth Wehling treffend in ihrem Buch. Es sei allen empfohlen, die nicht in Denk- und Sprachfallen ihrer politischen Gegenüber tappen, sondern die Welt mit jedem Wort ein Stück besser machen möchten.« (Dr. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag)

»In den USA wird Framing spätestens seit Barack Obamas Wahlkampf 2008 als Geheimrezept für gelungene Kampagnenführung gehandelt, und Wehling und Kollegen gelten als Framing-Docs der progressiven Politikszene. Jetzt hat sie ein Standardwerk für Deutschland geschaffen – erhellend und unterhaltsam.« (Christina Endruschat, USA-Korrespondentin RTL)

Politisches Framing erscheint am 17. Februar 2016

AUTOREN / HERAUSGEBER

Elisabeth Wehling

Elisabeth Wehling, geboren 1981 in Hamburg, studierte Soziologie, Journalistik und Linguistik in Hamburg, Rom und Berkeley. Sie promovierte in Linguistik an der University of California, Berkeley, ihr Forschungsbereich ist die politische Werte-, Sprach- und Kognitionsforschung. Seit 2013 leitet sie am International Computer Science Institute in Berkeley Forschungsprojekte zu Ideologie, Sprache und unbewusster Meinungsbildung mit Methoden der Neuro- und Verhaltensforschung sowie der kognitionslinguistischen Diskursanalyse. Elisabeth Wehling hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und ist Koautorin von Auf leisen Sohlen ins ...