Pamela Nölleke-Przybylski

»Was tue ich da eigentlich?« – den Beobachtungsprozess reflektieren

Eine Beobachtung ist für die Beobachterin und das Beobachtungsobjekt gleichermaßen herausfordernd. Der Beitrag beschreibt und reflektiert diese Herausforderungen des Erhebungsprozesses in Rückgriff auf konkrete Erfahrungen im Feld. Ursprung dieser Erfahrungen ist eine Studie, die Kreativität in der Fernsehunterhaltungsproduktion als soziale Praxis analysiert. Die sozialen – kreativen wie auch nicht-kreativen – Praktiken der Produktion werden über die Handlungen von Produzenten bzw. Producern erhoben. Letztere koordinieren den Prozess der Sendungsproduktion. Hier laufen die wesentlichen Interaktionen zusammen. Der Beitrag beschreibt, wie und warum der Produktionsprozess entlang des Handelns dieser Schlüsselpersonen als Beobachtungsobjekte systematisch erfasst wird. Er skizziert eine teil-standardisierte, offene, passive, direkte, natürliche Beobachtung, die als „Shadowing“ klassifiziert werden kann. Im Fokus stehen die Fallstricke, genauso wie Lösungsvorschläge für Probleme, die sich im Verlauf des Beobachtungsprozesses ergeben können. Der Beitrag beschreibt, welche (eingeschränkte) Funktion ein Pretest in solch einer Studie einnehmen kann. Er beschreibt ausführlich Aufbau und Funktion der (physisch vorliegenden) Codebögen und die Bedeutung zusätzlicher Instrumente der Beobachtungsprotokollierung. Er reflektiert die Rolle der Beobachterin sowie ihre Beziehungen zum Beobachtungsfeld und illustriert die „negotiations of access“, die sich ergeben, wenn die Beobachterin von Handlungen ausgeschlossen wird oder ein Beobachtungsobjekt – bewusst oder unbewusst – auf Distanz geht. Die geschilderten Erfahrungen zeigen, wie die Beobachterin damit umgehen kann, wenn Ermüdungserscheinungen, schneller Handlungsfluss und fehlende Kontextinformationen es erschweren, sinnhaft getrennte Handlungen zu erfassen. Die Abhandlung ist damit einerseits praktischer Leitfaden und andererseits auch Anstoß, Herausforderungen in der Erhebungsphase selbstkritisch und transparent darzustellen.

Observations – in empirical social science research – are challenging for both the observer and the observed alike. Drawing on specific experiences during fieldwork this contribution reflects on these challenges emerging during the observational process. The experiences referred to stem from an empirical analysis of creativity in entertainment television production. Creativity in this study is understood as social praxis. The social – both creative and non-creative – practices of production are harnessed by observing the actions of producers. It is the producers who coordinate the process of TV content creation. They constitute the knots where substantial interactions converge. This paper describes why and how it is possible to systematically track the production process following the actions of these key persons. It sketches a partly standardised, open, passive, direct, and natural observation that might be classified as “shadowing”. Both pitfalls and solutions to potential problems that might emerge during the observational process are focused on. The paper points to the role a pre-test might play in such a study and depicts the structure and function of both the coding sheet and additional instruments for an extensive recording of the observational insights. It reflects on the role of the observer, his/her relationship towards the observational field, and it illustrates the negotiations of access that result from either the observer being excluded from specific actions or the observed person creating a distance between himself/herself and the observer. The portrayed experiences illustrate how the observer might cope with exhaustion, the velocity of changing actions and missing context information as these elements complicate to adequately capture the (meaning of the) observed actions. Hence, this contribution serves both as a practical guide and as an impulse to self-critically describe the challenges of the data gathering process.