Denise Sommer / Dorothée Hefner

Von der (Un)Möglichkeit, Medienverweise in Alltagsgesprächen zu beobachten: Kepplinger und Martin (1986) revisited

Die Medien und ihre Inhalte werden nachweislich oft zum Gegenstand persönlicher Gespräche im Alltag. Jedoch ist über diese Gespräche wenig bekannt, weil sie der sozialwissenschaftlichen Forschung schwer zugänglich sind. Die Beobachtung scheint hier die Methode der Wahl zu sein, denn sie gewährt einen umfassenden und vielfältigen Einblick in die Alltagskommunikation. Zugleich sind die forschungspraktischen und -ethischen Grenzen bei der Beobachtung persönlicher Interaktionen in der natürlichen Umgebung der Beobachteten schnell erreicht.

Der Beitrag setzt sich kritisch mit der klassischen Beobachtungsstudie ‚Die Funktion von Massenmedien in der Alltagskommunikation‘ von Kepplinger und Martin (1986) auseinander, in der Alltagsgespräche verdeckt und direkt in einer teilnehmenden Beobachtung auf Medienverweise untersucht wurden. In einem Lehrprojekt im Herbst/ Winter 2012/13 wurden in Anlehnung an diese Untersuchung Medienverweise in der Alltagskommunikation in 133 Gesprächen mit insgesamt 543 Gesprächsteilnehmern offen und indirekt (mit Audioaufzeichnung) teilnehmend beobachtet. Beide Studien werden zur Reflektion verschiedener Formen der sozialwissenschaftlichen Beobachtung mit ihren Vor- und Nachteilen herangezogen. Gefragt wird, wie Medienverweise im Alltagsgespräch überhaupt identifiziert werden können, wie sie valide und reliabel messbar sind und welche Abwägungen zwischen der Natürlichkeit der Beobachtungssituation und der Ethik sozialwissenschaftlicher Forschung notwendig sind. Es zeigt sich, dass offene Beobachtungen mit Audioaufzeichnungen durchaus eine natürliche Gesprächsführung zulassen, aus der valide Daten generiert werden können. Als schwierig erweist sich hingegen die valide und reliable Codierung des aufgezeichneten Materials, um tatsächlich verallgemeinerbare Aussagen zu Medienverweisen in der Alltagskommunikation treffen zu können.