Felix Koltermann

Von der Ethik des publizierten Bildes zur Ethik des fotojournalistischen Aktes. Eine explorative Untersuchung am Produktionsstandort Israel/Palästina

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Im Kontext fotojournalistischer Bilder von Krisen und Konflikten kommt es immer wieder zu kontrovers geführten Diskussionen über bildethische Fragestellungen. Meist geht es dabei um Fragen der Bildmanipulation sowie der Wirkung des Gezeigten auf die BetrachterInnen. Das kennzeichnende Merkmal bildethischer Debatten ist, dass sie retrospektiv ausgehend vom publizierten Bild geführt werden. Im Rahmen meiner Forschung über den internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina kam jedoch zu Tage, dass für die FotoreporterInnen als Akteure im Feld andere Fragen relevant sind, die vor allem das Verhalten während des fotografischen Aktes betreffen. In den bisherigen Debatten zum Thema Bildethik werden sie nicht oder nicht ausreichend thematisiert. Ziel des Aufsatzes ist es, anhand konkreter Beispiele aus der fotojournalistischen Praxis in Israel/Palästina die Relevanz einer Fotojournalismusethik in Abgrenzung von einer Bildethik empirisch zu begründen und theoretisch zu verorten. Ausgehend von einer Klärung der Arbeitsbedingungen am fotojournalistischen Produktionsstandort Israel/Palästina werden fünf konkrete Problemstellungen aus der fotojournalistischen Praxis in der Region diskutiert: 1.) Welches Verhalten ist erlaubt, um an Bilder zu kommen? 2.) Wie sieht das Nähe-Distanz-Verhältnis zwischen FotografIn und Fotografierten aus? 3.) Wie wird mit einem Nein umgegangen? 4.) Welche Rolle weisen die Fotografierten den FotografInnen zu? 5.) Sollen FotografInnen in die Situation vor der Kamera Eingreifen oder nicht? Für die daran anschließende theoretische Verortung der Fotojournalismusethik wird auf den in der Medienethik zentralen Begriff der Verantwortung und Stapfs Modell gestufter Medienverantwortung zurückgegriffen.

[From image ethics to ethics of the photographic act. An explorative investigation in Israel/Palestine]

Photojournalistic images about political and violent conflicts often cause controversial discussions about image ethics. Mostly, they are concerned with questions about photographic manipulation and the influence of the images of the shown on the spectator. The main criteria of ethical debates concerning photography is that they are done in retrospective. As part of my research on the international photojournalism in Israel/Palestine I found out though that for photographers in the field other questions are relevant like those concerning the photographic act. These questions have not yet been addressed in debates on image ethics and can be termed as questions of photojournalism ethics. The aim of this paper is to show theoretically and empirically the relevance of establishing proper photojournalism ethics following concrete examples from the field. After a clarification of the production settings for photojournalism in Israel/Palestine I will discuss five topics: 1.) Which behavior is allowed in order to obtain pictures? 2.) What is the right relationship of proximity and distance between photographer and photographed? 3.) How is a No dealt with a No? 4.) Which role does the photographed assign to the photographer? 5.) Should photojournalists be allowed to intervene in the action in front of the camera? In the subsequent discussion of photojournalism ethics, I focus on the notion of responsibility and a model of shared media responsibility introduced by Stapf.