Trump in den Medien

Pressemitteilung vom 8. September 2020

Trump in den Medien

Im Sammelband “Trump und das Fernsehen” erkunden die Autor*innen die Komplexität des Phänomens Trump, fragen nach dem Status der Medien- und Populärkultur, hinterfragen die eigenen Verfahren der Medienanalyse und etablieren neue Ansätze, die Medienwelt nach und mit Trump zu verstehen.

Die Wahl und die Präsidentschaft Donald Trumps weisen auf eine tief greifende Zäsur im Verhältnis von Medien und Politik hin. Trumps Erfolg basiert aber nicht alleine auf dem Fernsehen, sondern auf einem komplexen Netzwerk von alten und neuen Medien, das Informationen, Bilder und Affekte auf eine intensive und kaum zu kontrollierende Weise zirkulieren lässt. Trump ist eine Heimsuchung, die kaum zu antizipieren war und immer noch nicht zu begreifen und zu akzeptieren ist. Seine Präsidentschaft steht für eine Inkommensurabilität zwischen den ‚medialen‘ Wahrnehmungsmustern, die ihn als Präsidenten nicht fassen können, und einer Wirklichkeit, in der ein Präsident Trump doch jeden Tag beweist, dass er möglich ist.

Um Trump, die Medien und den Populismus zu verstehen, ist es wichtig, das Fernsehen als Teil einer transmedialen Medienökologie zu begreifen, in der nicht nur “content”, sondern auch Affekte über unterschiedlichste Medien hinweg fließen und immer neue, verwirrende Allianzen schaffen. Trump verstehen zu wollen, bedeutet auch, das Ensemble der traditionellen und sozialen Medien zu verstehen, deren Ineinandergreifen Trumps Allgegenwart erzeugt. Dazu gehören nicht nur Reality TV und The Apprentice, Fox und andere TV-Sender, sondern auch Drama- und Comedyserien, Twitterkommentare, Late-Night-Show-Beiträge als Mikronarrative auf YouTube und Twitter, die Medialität von Gerüchten, Verschwörungen, die Übertragungswege, Vorbilder wie die Medienpolitik Berlusconis oder eine Symbolpolitik, die auf die quantitative Größe der Quote rekurriert.

Trump und das Fernsehen. Medien, Realität, Affekt, Politik richtet sich an Medienwissenschaftler*innen, Politolog*innen, Journalist*innen und alle, die sich für den Zusammenhang von Medien und Politik interessieren.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Dominik Maeder

Dominik Maeder, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Medienwissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er 2018 über Die Regierung der Serie. Poetologie televisueller Gouvernementalität der Gegenwart promoviert hat. Zu seinen Forschungsgebieten zählen neben Fernsehwissenschaft, Fernsehserie und Reality-TV auch Interface Studies und Steuerungsmedien. ...


Herbert Schwaab

Herbert Schwaab lehrt als Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Regensburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Filmphilosophie Stanley Cavells, populäre Film und Fernsehkultur, Sitcom und Reality TV, Tiere in Animationsfilmen, Anime und japanische Medienkultur und die Medialität des Fahrrads. Er arbeitet an einem Habilitationsprojekt zu Aspekten der Medialität in der Auseinandersetzung mit Autismus und der Kunst von Menschen mit Autismus. Kürzlich veröffentlicht: Lost in Media (herausgegeben mit Benjamin Beil und Daniela Wentz, Münster 2017), Die schwierige Beziehung von ...


Stephan Trinkaus

Stephan Trinkaus vertritt derzeit (SoSe 2020) die Professur für digitale und audiovisuelle Medien an der Universität Bayreuth und arbeitet zu Affekttheorie und Fernsehen, Prekarität, Theorien der Dekolonialität, Medialität und Psychoanalyse, sowie queer-feministischem neuem Materialismus und Geschlecht. Er ist Mitglied der rheinischen Sektion der Kompostistischen Internationale. ...


Anne Ulrich

Dr. Anne Ulrich ist Akademische Rätin am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Zuvor promovierte sie in Tübingen im Fach Allgemeine Rhetorik zu visuellen Beglaubigungsstrategien im Nachrichtenfernsehen. Ihre Forschungsinteressen betreffen die Schnittstellen von Medientheorie, Fernsehtheorie und Rhetorik, neuerdings mit einem Schwerpunkt auf der Metapher des Gespensts zur Untersuchung der Rhetorizität und Medialität von Bedrohung. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Politserien, Propaganda, visuelle Kommunikation, Mediengattungen und alle Fragen von Authentizität und Inszenierung. ...


Tanja Weber

Tanja Weber, Dr., arbeitet als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Medienkultur und Theater an der Universität zu Köln. Sie studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Neuere Geschichte an der Universität zu Köln und hat über Kultivierung in Serie: Kulturelle Adaptionsstrategien von fiktionalen Fernsehserien (Marburg: Schüren, 2012) promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Serialität in kulturell vergleichender, historischer und medienübergreifender Perspektive, Fernsehtheorie und -geschichte sowie Medienqualität. Derzeit arbeitet sie zusammen mit dem Grimme-Institut zu Fragen der Fernsehqualität. ...