Staatlichkeit als Gegenstand der Soziologie

Pressemitteilung vom 20. Februar 2018

Staatlichkeit als Gegenstand der Soziologie

Der Autor Oliver Schmidtke untersucht Gespräche auf Finanz-, Standes- und Bürgerämtern und arbeitet heraus, wie sich Staatlichkeit in deliberativen Anteilen solcher Gespräche realisiert.

Wenn BürgerInnen und Bürger mit Mitarbeitenden der öffentlichen Verwaltung sprechen, dann sprechen sie nicht nur mit Personen, die sie sympathisch oder unsympathisch finden, sondern mit Instanzen des Staates. Mitarbeitende sind mit Machtbefugnissen und Sanktionsfähigkeiten ausgestattet, die mehr oder weniger klar definiert und begrenzt sind.

Der Kontakt zwischen Bürgern und Verwaltungsmitarbeitenden ist dadurch geprägt, dass entweder Bürger vom Staat etwas verlangen oder der Staat von den jeweiligen Bürgern. Die Begegnung zwischen beiden kann nicht lediglich als  bürokratische Implementation von Normen verstanden werden und folgt nicht dem Muster einer „lebenden Maschine“ (Max Weber), sondern Interaktionen auf Ämtern enthalten Praktiken des Austauschs von Argumenten und Gegenargumenten. Die dort stattfindenden Dialoge bleiben auf Entscheidungen bezogen, die getroffen werden müssen: Wieviel Steuern sollen bezahlt werden? Kann eine Eheschließung angemeldet werden? Können Passdokumente ausgestellt werden? Darin zeigen sie Anteile von Deliberationen. Wie ein normatives Konzept der Achtung des Willens von Bürgern mit der hoheitlichen Komponente der Durchsetzung des Willens des Gemeinwesens zu vermitteln ist, kann als ein zentrales Deutungsproblem einer Soziologie der öffentlichen Verwaltung formuliert werden.

In Staatlichkeit, Deliberation und Facework. Eine qualitative Analyse von Interaktionen in der öffentlichen Verwaltung wird eine Beschränkung des Begriffs der Deliberation auf die Legislative überwunden und eine Perspektive begründet, die auch administratives Handeln in der staatlichen Exekutive als Teil der deliberativen Demokratie begreift.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Oliver Schmidtke

Oliver Schmidtke, PD Dr., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am SFB „Medien der Kooperation“ / Universität Siegen. Er studierte Soziologie, Philosophie, Psychoanalyse und ev. Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt und der Phillips-Universität Marburg und war wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Verwaltungs- und Kultursoziologie, qualitative Methoden, Interaktionsanalyse, Architektursoziologie, politische Soziologie. Ausgewählte Monographien: Ideal und Ironie der Gesellschaft, Familiales Scheitern und Architektur als professionalisierte Praxis. ...