Semiotik: »Ich will verstehen«

Pressemitteilung vom 15. April 2016

Semiotik: »Ich will verstehen«

Verstehen und Verständigung sind mit Bezug auf die zunehmende soziokulturelle Diversität fraglos unterstellte und beständig geleistete Fähigkeiten, ohne die der ohnehin immer fragile gesellschaftliche Zusammenhalt zerbrechen würde. Verstehen kann hierbei als eine notwendige Voraussetzung gesehen werden, um sich verständigen zu können.

Die Handlung oder Äußerung eines anderen Menschen zu verstehen bedeutet, dass wir uns die jeweiligen Beweggründe klarmachen, die zu dieser Handlung oder Äußerung geführt haben. Aber das Verstehen kommunikativer Handlungen gelingt oft nur graduell. So können wir eine Äußerung in ihrem sachlichen Gehalt verstehen, ohne korrekt verstanden zu haben, warum und zu welchem Zweck diese geäußert wurde.

Es gibt insbesondere eine spezielle Form des Verstehens, die als ›existenzielles‹ Verstehen charakterisiert werden könnte. Vor allem das eigene Leiden, das mit der Erfahrung von Unrecht oder Sinnlosigkeit einhergeht, scheint in diesem Verstehen ein Korrektiv zu finden: Das Ungewisse und Zufällige unserer Lebenserfahrungen wird erträglicher, wenn es verstanden werden kann. Dieser Zusammenhang von Kontingenz und Verstehen gilt auch für den Umgang mit fremden Kulturen, die als bedrohlich oder konfliktreich erlebt werden.

Im Sammelband Verstehen und Verständigung gehen die Autoren den Phänomenen des Verstehens und der Verständigung in ihren Möglichkeiten, Grenzen und gegenseitigen Bedingungsverhältnissen nach und nehmen hierbei die unterschiedlichen Medien der Verständigung in den Blick. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der verstärkte Einsatz intermedialer und multimodaler Formen der Kommunikation in einer zunehmend global ausgerichteten, damit aber zugleich heterogener werdenden Kultur veränderte Bedingungen der Verständigung geschaffen hat, die ein erneutes Nachdenken über ihre hermeneutischen Voraussetzungen sinnvoll erscheinen lassen. Das Thema dieser Neuerscheinung ist daher ein zutiefst transkulturelles Thema, denn die Frage nach Verstehen und Verständigung ist immer auch eine Frage nach der Möglichkeit, kulturelle Grenzen zu überwinden und zwischen Kulturen zu vermitteln.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Klaus Sachs-Hombach

Klaus Sachs-Hombach, geb. 1957, studierte Philosophie, Psychologie und Germanistik an der Universität Münster. 1990 schloss er seine Promotion an der Universität Münster ab, 2003 die Habilitation an der Universität Magdeburg. Von 1991 bis 1993 erfolgte ein Forschungsaufenthalt in Oxford und am MIT in Cambridge, MA. Seit 2011 ist er Professor für Medienwissenschaft (Medieninnovation/Medienwandel) am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Bildtheorie, Kommunikationstheorie, Medientheorie, Zeichentheorie, Ästhetik, Kulturtheorie, Geschichte und Theorie der Psychologie und Kognitionswissenschaft. Aktuelle Publikationen: Das Bild als ...