Revolutionsfotografie im 20. Jahrhundert. Bilder zwischen Realität und Inszenierung

Pressemitteilung vom 6. März 2019

Revolutionsfotografie im 20. Jahrhundert. Bilder zwischen Realität und Inszenierung

Revolutionsführer in Rednerpose, die Masse der begeisterten Zuhörer, das Leid der unterdrückten Revolutionäre und der Märtyrertod der ‚Unbesiegten‘ – Nicole Wiedenmann erstellt in der Neuerscheinung Revolutionsfotografie im 20. Jahrhundert. Zwischen Dokumentation, Agitation und Memoration eine ‚Kartografie‘ der visuellen Rhetorik von Revolutionsfotografien.

Revolutionen sind eine wirkungsmächtige Form politischen Handelns im öffentlichen Raum. Sie sind stets von gesteigertem Kommunikationsaufkommen und vom Einsatz kollektiv wirkender Bilder und Symbole begleitet. Das Erkenntnisinteresse der vorliegenden Untersuchung ist ein theoretisch-systematisches, kein historiografisches. Entsprechend geht es darum, Theorien und Bildanalysen in einen Dialog treten zu lassen, der wechselseitige Einblicke in die Funktionen von Fotografien in revolutionären Kontexten und in die sie vorbereitenden, flankierenden und reflektierenden Diskurse ermöglicht. Nach Ansicht der Autorin sind Bildartefakte von Revolutionen stets mehr als eine pure Repräsentation des Ereignisses selbst – vielmehr sind sie an dem Geschehen produktiv beteiligt. Sie interagieren mit den Handlungen der Akteure, dem Reden über die Revolution sowie mit den kollektiven und mythischen Imaginationen von der Revolution, die sich immer wieder wechselseitig vorantreiben, durchdringen und überlagern.

Diese Interdependenzen und Verflechtungen zwischen dem Gesagten, dem Gezeigten und dem Getanen arbeitet Nicole Wiedenmann heraus, um über die einzelne Revolution hinausgehende Einsichten in die allgemeine Sinn- und Symbolproduktion von und in Revolutionen zu gewinnen. Als bildtypologische Ordnungsmatrix dient dabei die Inszenierung revolutionärer Körper und deren Überschreibung durch revolutionäre Symbole.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Nicole Wiedenmann

Nicole Wiedenmann, Dr. phil., ist Akademische Rätin auf Zeit am Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Studium der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft, Kunst- und Medienwissenschaft sowie der Politikwissenschaft an der Universität Konstanz; Lehre an den Universitäten Konstanz und Erlangen. Seit 2009 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo sie 2016 promoviert wurde. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Fototheorie, -geschichte und -analyse, Medien und Kulturelles Gedächtnis, Politische Ikonographie und Visual History. ...