Lina Brink

Repräsentationen versammelter weiblicher Körper:

Die Bildberichterstattung über Proteste in Ägypten seit 2011

Abstract (deutsch)

Der Beitrag beschäftigt sich mit Repräsentationen weiblicher Körper im Kontext von Protesten in Ägypten zwischen 2011 und 2014 in der deutschen Bildberichterstattung und fragt nach den Möglichkeiten einer anerkennenden Sichtbarkeit von Frauen in diesem Zusammenhang. Theoretisch verortet wird die Analyse zum einen vor dem Hintergrund von Butlers Überlegungen zur Bedeutung von Versammlungen als körperliche Praktiken des Protests, die mit Arbeiten, welche die Bedeutung medialer visueller Repräsentationen von Protest betonen, zusammengeführt werden. Betont wird in diesem Zusammenhang, dass nicht nur nach der Anerkennung von Protestierenden gefragt werden sollte, sondern gerade auch nach den Folgen einer möglichen mediatisierten Anerkennung: Inwiefern werden das Protesthandeln und die Forderungen anerkannter protestierender Körper sichtbar? Zum anderen wird vor dem Hintergrund der Verortung der untersuchten Proteste und dem spezifischen Interesse für die Repräsentation als weiblich markierter Körper die Vergeschlechtlichung von Orient//Okzident-Konstruktionen diskutiert. In diesem Kontext wird aufgezeigt, dass bestehende Arbeiten nicht nur die Viktimisierung von Frauen, sondern auch das Zeigen aktiver und widerständiger Frauenkörper als Strategie der Reproduktion okzidentaler Normen und hierarchischer Strukturen verstehen. Die anschließende Diskussion der Analyseergebnisse zeigt, dass im Rahmen der deutschen Bildberichterstattung über Proteste in Ägypten anders als in tradierten orientalisierenden Formen des Zu-Sehen-Gebens von Frauen aus dieser Region von Momenten anerkennender Sichtbarkeit gesprochen werden kann. Diese erfolgt jedoch vor allem im Rahmen einer Anpassung weiblicher Körper an okzidentale Normen und damit deren Reproduktion. Ebenso ist auch die Sichtbarkeit der vielfältigen Formen des Protesthandelns ägyptischer Frauen und ihrer Forderungen durch okzidentale Normen begrenzt.

Abstract (englisch)

The article deals with representations of female bodies in the context of the German visual coverage of protests in Egypt between 2011 and 2014. It is interested in possibilities of a mediatized recognition of women in this context. Theoretically, the analysis on the one hand refers to Butler’s reflections on the meaning of assemblies as physical practices of protest. Her ideas are related to works that emphasize the importance of visual media representations of current protests. In this context it is emphasized that not only the visibility of protesters should be addressed, but also the possible consequences of mediatized recognition: to what extent do practices of protest and the demands of recognized protesting bodies become visible? On the other hand, due to the location of the analyzed protests and the specific interest in representation of bodies that are marked as female, the gendering of orient/occident constructions is discussed. In this context, it is shown that existing works not only understands the victimization of women, but also the demonstration of active and resistant women’s bodies as a strategy for the reproduction of occidental norms and hierarchical structures. The subsequent discussion of the results of the analysis shows that – opposed to traditional orientalized forms of representation of women from this region – within the scope of German visual coverage of protests in Egypt, moments of mediatized recognition can be found. However, this occurs primarily in the context of an adaptation of female bodies to occidental norms and thus the reproduction of this norms. Likewise, the visibility of protest practices by Egyptian women and their demands is limited by Western norms.

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