Der entfesselte Skandal

Pressemitteilung vom 27. März 2012

Der entfesselte Skandal

Der Skandal ist heute überall: Jeder kann ihn auslösen, jeden kann er treffen – Neu im Herbert von Halem Verlag: Der entfesselte Skandal von Bernhard Pörksen und Hanne Detel

Der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stürzt über Plagiate, die im Netz detailgenau dokumentiert werden – und löst eine Welle von Enthüllungen aus, die zahlreiche Politiker Ansehen und Doktortitel kosten. Greenpeace zwingt ein Weltunternehmen mit Hilfe von Social-Media-Diensten und einer raffinierten Kampagne in die Knie. Und der amerikanische Politiker Anthony Weiner zerstört seine Karriere, weil er in einer Mischung aus Nachlässigkeit und Inkompetenz seine Twitter-Follower über seine Sexaffären informiert.

Diese und andere Fälle von Skandalisierung im digitalen Zeitalter untersuchen die Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel in ihrer neuen Streitschrift Der entfesselte Skandal.

Von öffentlichen Skandalbeweisen und Instrumenten der Enthüllung

Alle senden, speichern, publizieren. Manchmal reicht schon ein einziger Klick, und in falsche Kanäle geratene E-Mails und Fotos, Handyvideos und SMS-Botschaften beenden eine Laufbahn und besiegeln ein Schicksal. Immer mehr Daten lassen sich immer leichter durchsuchen, verknüpfen, kopieren, verbreiten – und eines Tages benutzen, um den Ruf eines anderen zu zerstören. Smartphones und Digitalkameras, Netzwerk- und Multimedia-Plattformen, persönliche Websites, Blogs und Wikis sind die neuartigen Instrumente der Enthüllung. Sie liegen heute in den Händen aller.

Zwischen Aufklärung und Spektakel

Blitzschnell ist im digitalen Zeitalter Transparenz herstellbar – WikiLeaks hat dies vorgemacht. Genauso rasch verbreiten sich aber auch Gerüchte und Halbwahr-heiten, die das Image eines Menschen, einer Institution oder sogar ganzer Staaten beschädigen. Längst stehen nicht mehr nur Mächtige und Prominente am Pranger. Auch „ganz normale“ Bürger können zum Opfer grausamer Spektakel, zu Hassobjekten eines anonymen Cybermobs werden. Es reicht ein Missverständnis, es genügt eine einzige Nachlässigkeit – und das eigene Ansehen ist im Extremfall auf Dauer ruiniert. Denn selbst marginales Fehlverhalten bleibt öffentlich abrufbar und womöglich weltweit präsent.

Der Mensch und seine Medien

Wir passen, so Bernhard Pörksen und Hanne Detel, nicht zu unseren Medien und Technologien. Wir sind unseren Instrumenten nicht gewachsen, weil wir uns nicht vorstellen können, was wir mit ihnen auslösen.

Das Erscheinen des Buches wird durch vielfältige Aktionen im Internet begleitet:

http://entfesselter-skandal.halem-verlag.de
http://www.facebook.com/DerEntfesselteSkandal
http://twitter.com/medienskandal

AUTOREN / HERAUSGEBER

Bernhard Pörksen

Bernhard Pörksen, Jg. 1969, ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er erforscht die Macht der öffentlichen Empörung und die Zukunft der Reputation und publiziert -- neben wissenschaftlichen Aufsätzen -- Essays in vielen Zeitungen. Seine Bücher mit dem Philosophen Heinz von Foerster (Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners) und dem Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun (Kommunikation als Lebenskunst) wurden Bestseller. Im Jahre 2008 wurde Bernhard Pörksen zum ›Professor des Jahres‹ gewählt. Im Herbert von Halem Verlag veröffentlichte Pörksen 2012 ...


Hanne Detel

Hanne Detel, Dr., Jg. 1983, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Journalismus- und Medialisierungsforschung, das Social Web, Skandalisierung und (ungewollte) Prominenz im digitalen Zeitalter. In Hamburg und Stellenbosch (Südafrika) studierte sie – gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes – Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Öffentliches Recht sowie Osteuropastudien. Parallel dazu absolvierte sie die Journalistenausbildung der Konrad-Adenauer-Stiftung und arbeitete für die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Sie ist Autorin der Bücher Der entfesselte Skandal. Das ...