Politik mit Gefühl?

Politik mit Gefühl?

Unter Schlagworten wie ›Infotainment‹ oder ›Politainment‹ gewinnt die Verknüpfung von Politik und Unterhaltung in den Medien zunehmend an Bedeutung. Dies wird nun auch in der Wissenschaft stärker berücksichtigt. Ein neuer Band bündelt den aktuellen Stand der Forschung.



Sport, Show, Serie – Unterhaltung läuft rund um die Uhr und wird von Rezipienten bevorzugt konsumiert. Denn sie dient nicht nur der individuellen Spannung oder Entspannung, sondern bietet auch die Möglichkeit, ganz verschiedene Personen und Gruppen zu verbinden: Die großen Unterhaltungsformate, wie die Samstagabendshow oder das Fußball-Weltmeisterschaftsfinale, führen Familien und sogar Nationen zusammen. Die Unterhaltungsorientierung wird aber auch vielfach skeptisch betrachtet: Sie könnte gesellschaftlich problematisch werden, wenn sie einen Rückgang des politischen Interesses und Engagements zur Folge hätte.



Diese Bedenken zeigen, dass politische Information und mediale Unterhaltung oft als Gegensätze aufgefasst werden. Dabei ist beides in unserer Medienwelt miteinander verwoben, überall finden sich Verbindungen zwischen politischer Information und Unterhaltung: Medienangebote vermitteln Politik in emotionaler und spannender Form. Andere Angebote orientieren sich an den Unterhaltungsbedürfnissen des Publikums, weisen aber dennoch politische Bezüge auf: Fernsehserien über den Politikbetrieb, Satireformate oder auch Computerspiele mit einem politischen Szenario. ›Infotainment‹ und ›Politainment‹ gewinnen zunehmend an Bedeutung in den Medien und mittlerweile auch in der Wissenschaft. In dieser Forschung wird zum Beispiel deutlich, dass beim Verständnis politischer Inhalte die emotionale Komponente eine wichtige Rolle spielt. Und mediale Unterhaltung selbst kann politisch relevant sein und das politische Interesse und Engagement positiv beeinflussen.



In Politische Unterhaltung — Unterhaltende Politik, herausgegeben von Marco Dohle und Gerhard Vowe, heben die Autorinnen und Autoren des Bandes die traditionelle Trennung zwischen den Feldern Politik und Unterhaltung auf und stellen die Schnittmengen dieser beiden Bereiche dar – mit Blick auf Medieninhalte, Medienrezeption und Medienwirkungen.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Marco Dohle

Marco Dohle, Dr., 1996 bis 2001 Studium Medienmanagement (Angewandte Medienwissenschaft) mit Nebenfach Psychologie am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Seit 2002 Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kommunikations- und Medienwissenschaft I der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, seit 2010 als Akademischer Rat. Promotion mit einer Dissertation zur Bedeutung von Metaemotionen für die Rezeption trauriger Filme. Hauptarbeitsgebiete: Rezeptionsforschung, politische Kommunikation, Unterhaltungsforschung. ...


Gerhard Vowe

Gerhard Vowe, *1953, Studium der Politikwissenschaft, der Publizistik und der Informationswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Promotion 1984 an der FU Berlin mit einer Dissertation zum Thema "Information und Kommunikation als Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft". Habilitation 1991 an der Technischen Hochschule Darmstadt mit einer Schrift über die Enquete-Kommissionen des Bundestages zu riskanten Technologien. Seit 1991 Geschäftsführer eines Studiengangs für berufstätige Journalisten an der FU Berlin und Privatdozent für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Gastprofessuren an der Hochschule der ...