Playing Video Games – Computerspielforschung

Pressemitteilung vom 24. August 2015

Playing Video Games – Computerspielforschung

Eine umfassende Bestandsaufnahme und kritische Würdigung aktueller Ansätze der medienwissenschaftlichen und interdisziplinären Computerspielforschung bietet der Sammelband Game Studies.

Die Umsätze der Computerspielindustrie sind enorm und wachsen stetig weiter. Auch Wissenschaft und Journalismus lassen seit einigen Jahren zunehmend eine Ausdifferenzierung der Diskurse über Computerspiele erkennen. Gamer sind zunehmend berufstätige Erwachsene, nicht weniger als ein Viertel aller Deutschen spielt regelmäßig – unabhängig von einem bestimmten Alter oder der gesellschaftlichen Stellung. Trotzdem erhält dieser Teil der Medienkultur noch immer keine wirkliche Anerkennung. Was überrascht, angesichts der Vielfalt der Formen, die das Medium spätestens seit der Jahrtausendwende angenommen hat. Das Spielen am Computer ist aus der konvergenten Medienkultur der Gegenwart nicht mehr wegzudenken und der Deutsche Kulturrat möchte Computerspiele inzwischen gar als ›Kunst‹ verstanden wissen. Dass das immer noch recht junge Medium heute aus ganz unterschiedlichen methodologischen und epistemologischen Perspektiven in den Blick genommen wird, war längst überfällig.

Insbesondere für die Phase der Ausdifferenzierung war die Entwicklung der sogenannten ›Ludologie‹ von besonderer Bedeutung: Während bis in die 1990er-Jahre die vorhandene Forschung vor allem psychologisch und pädagogisch geprägt war, kam es um die Jahrtausendwende zu nachdrücklich vorgebrachten Forderungen, die Game Studies bzw. eben die Ludologie als eine in erster Linie der Untersuchung von Computerspielen gewidmete Disziplin zu etablieren. Zwar lässt sich bis heute immer noch kaum von Computerspielforschung als Disziplin sprechen, aber das interdisziplinäre Feld der Game Studies ist inzwischen deutlich stärker institutionalisiert, als das noch um die Jahrtausendwende der Fall war.

In der Neuerscheinung Game Studies haben die Herausgeber Klaus Sachs-Hombach und Jan-Noël Thon Aufsätze zu Spiel, Nutzung und Kontexten von Games zusammengetragen. Unter diesen drei Aspekten betrachten die Autoren die Computerspielforschung aus Perspektiven wie der Geschlechterforschung und dem Game Design. Aber auch aus narratologischen, rezeptionsästhetischen, medienpädagogischen und diskursanalytischen Blickwinkeln sowie vielen weiteren mehr. Der Band vermittelt einen umfassenden Überblick über das Forschungsfeld, vertieft die Auseinandersetzung mit anderen disziplinären oder methodischen Zugängen auch jenseits des entsprechenden Beitrags und soll dazu beitragen, die weitere Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen und journalistischen Diskurse zu fördern.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Klaus Sachs-Hombach

Klaus Sachs-Hombach, geb. 1957, studierte Philosophie, Psychologie und Germanistik an der Universität Münster. 1990 schloss er seine Promotion an der Universität Münster ab, 2003 die Habilitation an der Universität Magdeburg. Von 1991 bis 1993 erfolgte ein Forschungsaufenthalt in Oxford und am MIT in Cambridge, MA. Seit 2011 ist er Professor für Medienwissenschaft (Medieninnovation/Medienwandel) am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Bildtheorie, Kommunikationstheorie, Medientheorie, Zeichentheorie, Ästhetik, Kulturtheorie, Geschichte und Theorie der Psychologie und Kognitionswissenschaft. Aktuelle Publikationen: Das Bild als ...


Jan-Noël Thon

Jan-Noël Thon ist Associate Professor of Media Studies am Department of Art and Media Studies der Norwegian University of Science and Technology (NTNU). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören transmediale Narratologie, Comic Studies, Filmtheorie, Game Studies und konvergente Medienkultur. Weitere Informationen unter: www.janthon.net ...