Manuel Menke

Mediennostalgie in digitalen Öffentlichkeiten

Zum kollektiven Umgang mit Medien- und Gesellschaftswandel

„Woran festhalten, in einer Welt im Wandel?“ Mit dieser Frage sehen sich viele Menschen in Zeiten konfrontiert, in denen sie kontinuierlichen Wandel in der Gesellschaft und in ihren Lebenswelten wahrnehmen. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der zunehmenden Durchdringung des Alltags mit Medien ist auch der Medienwandel maßgeblich an Veränderungen in Beziehungen zu anderen Menschen und der Umwelt beteiligt. Wie der Autor zeigt, steht Mediennostalgie als affektive Zuwendung zur Vergangenheit für eine Sehnsucht nach dem Liebgewonnenen und Bedeutungsvollen, das durch diesen Wandel für manche verloren gegangen ist.

Der nostalgische Umgang mit Verlusterfahrungen sowie Gefühlen von Entfremdung und Diskontinuität bildet den Ausgangspunkt der hier vorgelegten kommunikationswissenschaftlichen Perspektive auf Nostalgie. Dabei wird nostalgisches Erinnern erstmals als gesellschaftliches Phänomen öffentlicher Kommunikation theoretisiert, indem Ansätze aus der Erinnerungs- und der Öffentlichkeitsforschung miteinander verbunden werden. Etablierte Modelle von Öffentlichkeit werden einer kritischen Betrachtung ihrer normativen Prämissen unterzogen und hinsichtlich neuer Bedingungen digitaler Kommunikation von Erinnerung erweitert. Dazu gehört eine Neubewertung der Rolle von Emotionen, des Privaten, des Politischen und der Ziele deliberativer Diskurse unter Beteiligung der Bevölkerung an digitalen Öffentlichkeiten. Auf dieser Basis widmet sich der Autor speziell den Funktionen von Mediennostalgie in digitalen Öffentlichkeiten, in welchen persönliche und kollektive Erinnerungen in kommunikativen Erinnerungspraktiken von unten zusammenfließen. Es wird dargelegt, wie sich um diesen öffentlichen Austausch digitale Erinnerungsgemeinschaften bilden, die an der Entstehung digitaler Öffentlichkeiten mitwirken. Dabei wird deutlich, wie geteilte Medienerfahrungen der Vergangenheit kollektive Identitätsanker zur Vergemeinschaftung bilden, die mit bestimmten Lebensgefühlen sowie Werten und Normen ihrer Zeit in Verbindung gebracht werden. Im gemeinsamen nostalgischen Umgang mit Wandel suchen die Mitglieder emotionales Wohlbefinden. In den empirischen Studien wird untersucht, wie kollektive Mediennostalgie dazu beiträgt, Gefühle von Kontinuität, Geborgenheit und Sicherheit in digitalen Erinnerungsgemeinschaften zu erzeugen, und damit Wandelerfahrungen handhabbarer werden lässt.

Nachwuchspreis des Herbert von Halem VerlagDie Lektüre dieses Buchs macht eines deutlich: Nostalgie sollte nicht mit einer stumpfen Abkehr von der Gegenwart gleichgesetzt werden. Vielmehr findet sie kreativen Ausdruck in kommunikativen Erinnerungspraktiken und regt zur Partizipation an öffentlichen Diskursen über Wandel an. Dies sind wichtige Voraussetzungen, um sich gesellschaftlich über ein gutes Leben unter Wandelbedingungen zu verständigen.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Manuel Menke

Manuel Menke, Jg. 1985, Dr., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2011 bis 2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien, Wissen und Kommunikation (imwk) an der Universität Augsburg. 2017 Abschluss der Promotion. Studium der Publizistik und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2012 als Sprecher in nationalen und internationalen Nachwuchsnetzwerken engagiert und seit 2017 stellv. DGPuK-Nachwuchssprecher. Mitbegründer des seit 2015 bestehenden International Media and Nostalgia Networks (IMNN). Preisträger des Herbert von Halem Nachwuchspreises 2016. Forschungsschwerpunkte:  ...


Mediennostalgie in digitalen Öffentlichkeiten
  • 2018
  • 400 S., 11 Abb., 14 Tab., Broschur, 213 x 142 mm, dt.
  • ISBN 978-3-86962-266-8

  • 38,00 EUR
  • lieferbar
  • Lieferzeit: 3-4 Tage

EBOOK (PDF)

ISBN 9783869622651
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