Medienereignisse zwischen Fest und Katastrophe

Pressemitteilung vom 21. Juli 2021

Medienereignisse zwischen Fest und Katastrophe

Als Fest oder als Katastrophe ist das Medienereignis bereits häufig untersucht worden – seltener allerdings der Augenblick, in dem ein Fest in eine Katastrophe umschlägt. Störung der Bilder betrachtet den Moment, in dem das etablierte Festskript vor und mit laufenden Kameras brüchig wird.

Der Anschlag während der Olympischen Spiele in München, die Stadionkatastrophe in Heysel, das Loveparade-Unglück in Duisburg oder die live ausgestrahlten Unfälle von Ayrton Senna und Samuel Koch: Der Augenblick, in dem ein Fest in eine Katastrophe umschlägt, wurde bislang nicht ausreichend untersucht. Diese Lücke schließt die Medienwissenschaftlerin Anna Zeitler in der Neuerscheinung Störung der Bilder. Bilder der Störung. Medienereignisse zwischen Fest und Katastrophe.

Aufbauend auf ereignis-, medien- und fernsehtheoretischen Grundlagen, in der Auseinandersetzung mit Fest- und Katastrophentheorien sowie unter Einbezug digitaler bzw. sozialer Medien operationalisiert dieser Band den Umschlagspunkt mithilfe des Begriffs der Störung. Er identifiziert vier Typen des Medienereignisses zwischen Fest und Katastrophe: den Zusammenfall, den Ausfall, den Einzelfall und den Zwischenfall.

In Fallbeispielen aus den Jahren 1972 bis 2013 werden entlang dieser Typologie transhistorische Muster aufgespürt und nachgezeichnet, die das televisuelle Paradigma der Liveness als eine überdauernde Konstante des Medienereignisses ausweisen und das gegenwärtige Medienereignis als transmediales Phänomen verstehbar machen. Innerhalb dieser Typologie können Analysen aufzeigen, dass sich das televisuelle Paradigma der Liveness nicht nur im genuinen Fernsehereignis, sondern auch in digitalen Modi als zentrale formalästhetische und konzeptionelle Konstante des Medienereignisses erweist. So reflektiert sich im Umschlag des Festes in die Katastrophe nicht nur das Fernsehen beständig selbst, sondern es offenbart sich auch das “hybride” Medienereignis als transmediale Allianz.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Anna Zeitler

Anna Zeitler, Jg. 1986, studierte Germanistik und Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Anschluss daran war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienwissenschaft und Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg 1718 „Präsenz und Implizites Wissen“. Sie promovierte an der FAU zum Medienereignis zwischen Fest und Katastrophe. Die Arbeit wurde mit dem Lilli Bechmann-Rahn-Preis ausgezeichnet. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für Wissenschaftskommunikation an der Hochschule Neu-Ulm. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Medienereignisse, Theorie und Diskursgeschichte des Fernsehens und (Wissenschafts-)Kommunikation. ...