Medialisierung der Öffentlichkeit

Pressemitteilung vom 30.11.2011

Medialisierung der Öffentlichkeit

In der Neuerscheinung Die Medialisierung der Öffentlichkeit untersucht Autor Manuel Wendelin den Begriff der Öffentlichkeit anhand verschiedener Öffentlichkeitstheorien. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach dem Einfluss der vier medialen Umbruchphasen von den 1840er- bis zu den 1990er-Jahren. Wie sind bekannte Theoretiker der Soziologie, Ökonomie, Philosophie und Kommunikationswissenschaft mit den Widersprüchen zwischen normativem Ideal und erlebter sozialer Wirklichkeit umgegangen?

Es gibt wenige Begriffe, die für die Selbstbeschreibung der modernen westlichen Gesellschaft so wichtig sind wie der der Öffentlichkeit. Entsprechend umfangreich ist die intellektuelle Auseinandersetzung mit dieser bedeutungsgeladenen Kategorie. Generationen von Philosophen und Sozialwissenschaftlern haben in Abhängigkeit von der Zeit, in der sie lebten, die unterschiedlichsten Öffentlichkeitstheorien entwickelt.

Das neu im Herbert von Halem Verlag erschienene Buch geht davon aus, dass es trotz dieser Vielfalt an wissenschaftlichen Deutungen allgemeine begriffliche und normative Strukturen gibt, die im Zeitalter der Aufklärung entstanden und die bis heute stabil geblieben sind. Auf der Grundlage einer wissenssoziologischen Analyse von prominenten Öffentlichkeitskonzepten aus rund 160 Jahren wird gezeigt, wie diese idealen Strukturen praktisch bis in die Gegenwart weitergegeben wurden. Im Spannungsfeld der Widersprüche zwischen den Öffentlichkeitsidealen und gegenläufigen Entwicklungen in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen steht dabei die Frage nach dem Einfluss der Medienentwicklung auf allgemeine Vorstellungen zur politischen Ordnung der Gesellschaft im Vordergrund.

Das Buch konzentriert sich auf die vier medialen Umbruchphasen von den 1840er- bis zu den 1990er-Jahren. Im Zentrum der Untersuchung steht die Analyse von je zwei “Gegensatzpaaren” mit möglichst prominenten und unterschiedlichen Öffentlichkeitskonzepten.
Herausgearbeitet wird, wie Karl Marx und Albert Schäffle, Ferdinand Tönnies und Carl Schmitt, Jürgen Habermas und Elisabeth Noelle-Neumann sowie Jürgen Gerhards, Friedhelm Neidhardt und Bernhard Peters mit den Widersprüchen zwischen normativem Ideal und erlebter sozialer Wirklichkeit umgegangen sind. Die Auseinandersetzung mit den Öffentlichkeitstheorien ist umrahmt von umfangreichen Darstellungen zur Biografie der Theoretiker sowie zur öffentlichkeits- und mediengeschichtlichen Entwicklung.

Die Dissertation erscheint in der Reihe Theorie und Geschichte der Kommunikationswissenschaft, die von Prof. Dr. Michael Meyen (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München) herausgegeben wird.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Manuel Wendelin

Manuel Wendelin, Dr., ist Akademischen Oberrat auf Zeit am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er hat dort Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft studiert und 2011 mit einer theoriegeschichtlich und wissenssoziologisch angelegten Analyse zur Kategorie der Öffentlichkeit promoviert. 2018 Habilitation mit einer Arbeit zu den Möglichkeiten der sozialwissenschaftlichen Verwendung des Transparenzbegriffs – insbesondere beim Journalismus im Internet. Venia Legendi für das Fach Kommunikationswissenschaft. Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Öffentlichkeits- und Medienwandel, Öffentlichkeitstheorie, digitale Kommunikation, Medialisierung sowie ...