Kommunikation im Wandel – damals und heute

Am 15. Mai 2019 trafen sich auf dem Podium der Kölner Mediengespräche Prof. Dr. Dagmar Hoffmann, Prof. Dr. Marlis Prinzing, Dr. Jörg-Uwe Nieland und Herbert von Halem, um über die Veränderungen in der Kommunikationswissenschaft der letzten 20 Jahre zu sprechen. Prof. Dr. Udo Göttlich hielt einen einleitenden Vortrag

Kommunikation im Wandel – damals und heute

20 Jahre ist es nun her, dass der Sammelband Kommunikation im Wandel. Zur Theatralität der Medien, herausgegeben von Udo Göttlich, Jörg-Uwe Nieland und Heribert Schatz, als eines der frühesten Bücher im Herbert von Halem Verlag erschien. Aus diesem Anlass diskutierte Verleger Herbert von Halem am 15. Mai 2019 mit Jörg-Uwe Nieland, Marlis Prinzing und Dagmar Hoffmann über den Wandel in der Kommunikationswissenschaft.

Udo Göttlich verglich in seinem Impulsvortrag im Vorfeld der Diskussionsrunde den Versuch, den Wandel der Kommunikation zu beschreiben, mit dem hoffnungslosen Unternehmen “den Ozean mit Wasserfarben zu malen, während man unter Wasser ist”. Diese Metapher trifft ins Schwarze: Der Wandel der Kommunikation vollzieht sich derart schnell und umfassend, dass es wohl unmöglich ist, ihn jemals in seiner Gänze zu überblicken und zu beschreiben. Und das spiegelt sich auch im Inhalt des vor 20 Jahren erschienenen Buches wider: Seinerzeit wurden Entwicklungen, wie etwa das Aufkommen der damals aktuellen, heute aber weitgehend vergessenen Sendung Big Brother, und auch die zunehmende “Dramatisierung” in Journalismus und Politik im Fernsehen behandelt. Das Internet und mobile Kommunikation steckten noch in den Kinderschuhen. Facebook, Twitter & Co. – ohne die Kommunikation heute ja kaum mehr denkbar wäre – gab es noch nicht. Ist der Sammelband Kommunikation im Wandel also hoffnungslos veraltet? Und frustriert das nicht die Herausgeber, die seinerzeit soviel Arbeit in das Buch investiert haben? Nein, sagt Mitherausgeber und Politikwissenschaftler Jörg-Uwe Nieland. Die im Band versammelten Texte entsprächen ja ungeachtet ihres Alters wissenschaftlichen Qualitätskriterien und hätten seinerzeit einen wertvollen Beitrag zum damaligen Diskurs geleistet. Mediensoziologin Dagmar Hoffmann zufolge bewahre sich der Band seinen Wert als kommunikationsgeschichtliches Dokument.

Die Diskussionsrunde thematisierte außerdem die Auswirkungen des Kommunikationswandels auf den Journalismus. Journalistik-Professorin Marlis Prinzing stellte fest, der Journalismus habe durch die nahezu ungefilterte Verbreitung von Nachrichten im Netz seine “Gatekeeper”-Funktion verloren, dafür aber nun auch neue Funktionen zu erfüllen. Weiter ging es um die Frage, wie Kinder mit den neuen, vor allem digitalen Kommunikationswerkzeugen zurechtkommen und ob auch sie vom “Information Overload” betroffen seien, und einiges mehr, bevor sich die Diskutanten den Fragen der Gäste stellten.

Anschließend wurde in bewährter Kölner Mediengespräche-Tradition bei einem Glas Wein sowie Brot und Käse weiterdiskutiert.