Im Zweifel für den Fortschritt

Pressemitteilung vom 12. Juli 2011

Im neu erschienenen Buch Zählen oder Verstehen? diskutieren die Autorinnen und Autoren aus dem kommunikationswissenschaftlichen Bereich die Verwendung quantitativer und qualitativer Methoden in der empirischen Kommunikationswissenschaft. Wo liegen die Schwächen und Stärken der unterschiedlichen Ansätze, wie kann man diese sinnvoll vereinen und warum hinterfragen nicht einmal die ForscherInnen selbst grundsätzlich die einmal angeeignete Methode?

Fortschritt beginnt mit dem Zweifel und zeigt sich im Widerstand gegen überlieferten Dogmatismus. Die methodischen Ausrichtungen der kommunikationswissenschaftlichen Forschungspraxis werden im Allgemeinen als ›qualitativ‹ und ›quantitativ‹ bezeichnet. In den vergangenen Jahren haben sich vielfach Annäherungen, Interessengemeinschaften und Kooperationen zwischen den sogenannten ›Qualitativen‹ und ›Quantitativen‹ beobachten lassen – sowohl im Bereich der Theoriebildung als auch im Feld der Datenerhebung und der Auswertung. Die grundsätzliche Diskussion um die Methoden hat sich in den vergangenen Jahren jedoch wenig bewegt. Ist aus dem einstigen Waffenstillstand der qualitativen und quantitativen Verfahren ein zumindest informeller Friedensvertrag geworden?

Theoretisch und verfahrenstechnisch wird die Frage diskutiert, ob und wo überhaupt die Grenze zwischen qualitativ und quantitativ, also zwischen ›Zählen‹ und ›Verstehen‹, verläuft und warum gerade dort. Woran entzündet sich ein ›Methodenstreit‹, wenn er denn wirklich ausgetragen wird? Inwieweit ist die Wahl der einen oder anderen Herangehensweise an ein kommunikationswissenschaftliches Phänomen von methodischen Vorannahmen bestimmt und welche Konsequenzen hat das? Werden in Abhängigkeit von bestimmten Fragestellungen oder grundlegenden Annahmen über die soziale Wirklichkeit bestimmte Methoden angewandt und in welchem Verhältnis stehen die methodologischen bzw. wissenschaftlichen Grundannahmen zueinander?

Die Differenzen und Gemeinsamkeiten dieser beiden verfahrenstechnischen Ausrichtungen sind Gegenstand des Sammelbandes Zählen oder Verstehen?, der in der Reihe Methoden und Forschungslogik der Kommunikationswissenschaft im Herbert von Halem Verlag erschienen ist. Neben der klaren Benennung der Unterschiede haben die AutorInnen von Zählen oder Verstehen? vor allem ein Ziel: Sie wollen Brücken schlagen und Türen öffnen, wenn es darum geht, Phänomene zu erkennen, zu beschreiben, zu erklären und zu verstehen – fern von ideologischem Dogmatismus.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Andreas Fahr

Andreas Fahr, Prof. Dr. rer. pol.; Studium der Publizistik, Psychologie und Volkswirtschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1995 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Medien Institut Ludwigshafen. 2000 bis 2012 wissenschaftlicher Assistent, Akademischer Rat und Oberrat am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) der LMU-München. 2001 Promotion zum Dr. rer. pol., 2010 Habilitation. 2012 bis 2013 Professor für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziale Kommunikation an der Universität Erfurt. Seit Herbstsemester 2013 Professor für empirische Kommunikationsforschung an der Universität Fribourg (Schweiz). Forschungsschwerpunkte: ...