Im Wartesaal der Möglichkeiten

Pressemitteilung vom 17. Februar 2011

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, an Ihrem bisherigen Leben etwas zu ändern, würden Sie Ihr Leben nochmals so leben wollen? Oder würden Sie die Chance nutzen, die Weichen neu zu stellen? Ein jeder hat sich sicher schon einmal die Frage gestellt: Was wäre geschehen, was wäre aus mir geworden, wenn ich in bestimmten Situationen anders gehandelt hätte? Setzt sich das Leben aus einer Reihe von Zufällen zusammen?

Was Menschen unterlassen oder versäumen – die Aussprache mit den Eltern, die Beichte eines Seitensprungs -, kann eine größere Macht auf ihr Leben ausüben als vieles von dem, was sie getan haben. Selten erhält man im Leben eine zweite Chance. Selbst wenn man sie bekommt: Wüsste man sie dann überhaupt zu nutzen? Während der Gedanke an ein mögliches anderes Leben die Fantasie beflügeln kann, sei es in den Künsten, im Leben oder im Umgang mit den Medien, ist das, was im wirklichen Leben geschah, bald Vergangenheit. Vieles von dem, was nicht verwirklicht wurde, gerät für immer in Vergessenheit, anderes jedoch beeinflusst ein Leben lang. Kann die Erinnerung an die verstrichene Möglichkeit, das Leben, das nicht gelebt wurde, nicht auch wieder aktuell werden, die Gegenwart und sogar die Zukunft beeinflussen?

In seinem Buch Im Wartesaal der Möglichkeiten. Lebensvarianten in der Postmoderne untersucht Michael Lommel diese virtuellen Biografien, die das wirkliche Leben begleiten, sei es in glücklicher oder unglücklicher Hinsicht. Unter Berücksichtigung soziologischer, psychologischer und historischer Faktoren kommentiert der Autor philosophische Klassiker von Aristoteles über Sartre bis Deleuze. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf künstlerischen Darstellungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – dieses Buch versammelt Reflexionsformen postmoderner Kunstwerke und bringt Beispiele aus Literatur, Theater, Fotografie und Film, die mit alternativen Lebensgeschichten, Variationen und Parallelwelten spielen, miteinander in Kontakt.

Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie spielerisch Lebensvarianten und virtuelle Biografien erproben: Sie erkunden den Wartesaal der Möglichkeiten.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Michael Lommel

Michael Lommel, PD Dr. phil. habil. (www.michael-lommel.de). Studium der Allgemeinen Literaturwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität Siegen. Promotion (2001) und Habilitation (2006) in Siegen. Venia Legendi: Allgemeine Literaturwissenschaft, Schwerpunkt Medienwissenschaft. Bis 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Siegener Forschungskolleg Medienumbrüche. Gastprofessor für Theorie des Films in Wien und für Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck, Dozent für Medientheorie und -geschichte an der HTW Chur. Publikationen (Auswahl): Der Pariser Mai im französischen Kino, Tübingen 2001. Samuel Beckett – Synästhesie als Medienspiel, München 2006. Mitherausgeberschaft: ...