Historisches Filmmaterial: Von Archivierung bis Verwertung

Pressemitteilung vom 10. Oktober 2018

Historisches Filmmaterial: Von Archivierung bis Verwertung

Historische Filmdokumente scheinen Beweischarakter zu haben. Sie schaffen das umfassendste Abbild historischer Vorgänge im Spektrum der Medien. Doch gerade die scheinbare Unmittelbarkeit und historische Verlässlichkeit alten Filmmaterials wirft Fragen auf, denen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Archivare und Journalisten in der Neuerscheinung “Filmerbe. Non-fiktionale historische Bewegtbilder in Wissenschaft und Medienpraxis” in 12 Beiträgen stellen.

Der Film, auch der dokumentarische Film, ist einerseits Zeitdokument, andererseits mit einer bestimmten Intention gedreht und produziert. Wie problematisch ist z.B. die Verwendung von Filmmaterial, das von nationalsozialistischen Filmemachern gedreht wurde aber eventuell das einzige „historische“ Material aus dieser Zeit ist? Einige Beiträge setzen sich mit dem Quellenwert von historischen Bewegtbildern und damit zusammenhängenden archiv- und geschichtswissenschaftlichen Fragen auseinander: Wie werden historische Filmdokumente in der Wissenschaft behandelt? Wie wird Realität dargestellt und behauptet? Wie steht es um die suggerierte Objektivität in medizinischen Lehrfilmen, Zeitspuren in historischen Naturfilmen und die behauptete Ästhetik und Aura des Vergangenen im Dokudrama der vergangenen zwanzig Jahre?

Das besondere des mit zahlreichen Abbildungen gestalteten Bandes ist der Diskurs zwischen Historikern und Archivaren, Journalisten und Schulpädagogen und daraus erwachsend die Spanne der bearbeiteten Themen vom Reenactment zur schulischen Nutzung historischen Filmmaterials, von der Erschließung, Analyse, Bewertung und Nutzung privater Filmquellen bis zu Propagandafilmen.

Ausgangspunkt für den Sammelband war das Symposium “Bewegte Spuren – Historische Filmdokumente in Wissenschaft und Medienpraxis” des Filminstituts Hannover. Dessen geschäftsführender Direktor Dr. Peter Stettner und Vorstand Wilfried Köpke, Professor für Fernseh- und Kulturjournalistik, sind die Herausgeber.  Mit weiteren Beiträgen von Abdurrahman Kaynar, Dirk Alt, Sabine Schlegelmilch, Michael Sutor, Karl Stamm, Alexander Zöller, Thomas Schuhbauer, Ulrike Brenning, Fabian Sickenberger, Fabian Schmieder und Detlef Endeward.

Das Filminstitut Hannover ist eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule Hannover, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und der Leibniz-Universität Hannover.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Wilfried Köpke

Wilfried Köpke lehrt als Professor für Journalistik (Schwerpunkt Kultur und Fernsehen) an der Hochschule Hannover. Zuvor studierte er Philosophie, Erwachsenenpädagogik, Theologie, Journalistik und Kuratieren in München, Frankfurt, Hannover und Berlin und ist seit 2002 als Redakteur, freier Journalist und Autor (u.a. ARTE, ARD, Die Zeit) tätig. ...


Peter Stettner

Peter Stettner, Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte. 1989 Gründungsmitglied der Gesellschaft für Filmstudien e.V., Schatzmeister und Geschäftsführer. Nach der Promotion (Einflussfaktoren auf die niedersächsische Filmwirtschaft nach 1945) wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Hannover. 1995 Leiter des Kulturarchivs der Hannoverschen Hochschulen, 2016 geschäftsführender Direktor des Filminstituts Hannover an der Hochschule Hannover. Forschungsarbeiten in den Bereichen Film als historische Quelle, Deutscher Nachkriegsfilm und regionalgeschichtliche Filmforschung. Kurator des Portals www.filmundgeschichte.de und der DVD-Edition Historische Hannover-Filme. ...