Hirnbild und Alltagsbild: Zur Popularisierung von Hirnforschung

Pressemitteilung vom 8. Oktober 2019

Hirnbild und Alltagsbild: Zur Popularisierung von Hirnforschung

Wie wird die populäre Hirnforschung heutzutage medial dargestellt? Eine medienphänomenologische Analyse erschließt die  Bildwelten im Wissensmagazin Gehirn & Geist.

Vor dem Hintergrund der visuellen Kultur des zeitgenössischen Wissenschaftsjournalismus befasst sich das Buch Theatrum cerebri. Studien zur visuellen Kultur der populären Hirnforschung mit der medienwirksamen Inszenierung von Neurowissenschaft. Dabei dient die Zeitschrift Gehirn & Geist als Untersuchungsgegenstand, an dem sich erkennen lässt, wie relevant der vorhandene Bilderreichtum für das öffentliche Interesse an der Hirnforschung ist: Anhand der unterschiedlichen Bildtypen der Gehirn & Geist lässt sich eine Entwicklung der Medialisierung und der gesellschaftlichen Einbettung von Hirnforschung und Neuropsychologie aufzeigen, die in der Begleitforschung der Neurowissenschaften bislang zu wenig beachtet worden ist.

Neurowissenschaftliche Forschung verfügt über Methoden und Techniken, um das Gehirn in Struktur und Funktion bildhaft darzustellen. Man bezeichnet diese Technologien als ›Hirnbildgebung‹ oder auch ›Neuroimaging‹. Solche Möglichkeiten der technogenen Darstellung sind nicht nur wichtig für Wissenschaftler und Mediziner, sie steigern auch die öffentliche Wahrnehmung und Popularität der Hirnforschung. In Theatrum cerebri betrachtet der Autor Dirk Hommrich die bildstarke Darbietung der Neurowissenschaften und die Suggestivkraft, die visuelle Darstellungsweisen im zeitgenössischen Wissenschaftsjournalismus mithin entfalten.

Die 2018 mit dem Fakultätspreis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen der Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt e.V. ausgezeichnete, interdisziplinäre Dissertation nutzt Konzepte der (kritischen) Begleitforschung, um zu zeigen, wie sich das Regime der Sichtbarkeit der Neurowissenschaften von früheren Formen der Popularisierung unterscheidet, und kommt zu der Diagnose, dass die populäre Hirnforschung in ihrem zeitgenössischen Bilderrausch auf die nächste ikonophile Phase zusteuert.

Theatrum cerebri. Studien zur visuellen Kultur der populären Hirnforschung erscheint als achter Band der Schriftenreihe Klagenfurter Beiträge zur visuellen Kultur, herausgegeben von Jörg Helbig und Rainer Winter.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Dirk Hommrich

Dirk Hommrich, Dr. phil., Jg. 1975, ist wissenschaftlicher Referent für internationale Entwicklungen beim Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) und zweiter Direktoriumssprecher des Instituts für Kulturforschung Heidelberg. Er studierte Philosophie, Soziologie, Politologie und Geschichtswissenschaft und war Stipendiat des interdisziplinären DFG-Graduiertenkollegs „Topologie der Technik“, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz, der Professur für gesellschaftliche, politische und rechtliche Grundlagen von Bildung und Erziehung der Helmut-Schmidt-Universität sowie Senior Researcher am Forschungsbereich Wissensgesellschaft und Wissenspolitik des Instituts ...