Hinter den Kulissen – Henri Nannen und der Stern-Mythos

Hinter den Kulissen – Henri Nannen und der Stern-Mythos

Nach langem Warten ist es soweit: Tim Tolsdorffs Arbeit Von der Stern-Schnuppe zum Fix-Stern. Zwei deutsche Illustrierte und ihre gemeinsame Geschichte vor und nach 1945 ist ab sofort erhältlich! Der Medienhistoriker belegt anhand bislang unerschlossener Quellen, dass Henri Nannen 1948 zu großen Teilen das Konzept einer gleichnamigen Film- und Kulturillustrierten kopierte, die bis Ende 1939 vom Deutschen Verlag in Berlin herausgegeben worden war und sich als erfolgreiches Produkt der NS-Propaganda erwiesen hatte.

Die Erfindung der Illustrierten Stern durch Henri Nannen im Sommer 1948 ist einer der bestimmenden Gründungsmythen in der bundesrepublikanischen Pressegeschichte. Der Medienhistoriker Tim Tolsdorff beleuchtet nun die Gründerjahre des Stern aus neuem Blickwinkel. In seinem Buch Von der Stern-Schnuppe zum Fix-Stern. Zwei deutsche Illustrierte und ihre gemeinsame Geschichte vor und nach 1945 legt er offen, dass Nannen bei der Einführung seiner Zeitschrift auf eine bereits bestehende publizistische Marke zurückgriff.

Bereits 1938 wurde vom Deutschen Verlag eine Illustrierte namens Stern publiziert. Der Titel enthielt aufwendige Fotostrecken, exklusive Reportagen aus dem Leben Prominenter, ein farbiges Layout, Berichte aus den USA und – jedenfalls zu Anfang – nackte Haut. Trotz großer Auflagenerfolge war dem Vorkriegsblatt aber nur der kurze Lebenszyklus einer Sternschnuppe beschieden. Zehn Jahre später, am 1. August 1948, erschien Henri Nannens Stern an den Verkaufsständen in den Westzonen und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zur größten deutschen Illustrierten. Bis heute besteht die Zeitschrift fort und ist als mediale Marke fest im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert.

In seiner Dissertation stellt Tolsdorff den Stern-Mythos auf den Prüfstand. Detailliert arbeitet er heraus, dass der Relaunch im Jahr 1948 kein revolutionärer Geniestreich war, sondern das Ergebnis eines nach pressepolitischen, markenrechtlichen und wirtschaftlichen Kriterien ablaufenden Ausleseprozesses.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Tim Tolsdorff

Tim Tolsdorff, Dr. phil., Jahrgang 1977, begann seine journalistische Laufbahn im Jahr 1995 bei der Honnefer Volkszeitung, der damals kleinsten unabhängigen Tageszeitung Deutschlands. Seit 2002 lebt er in Berlin, ist dort als Historiker und als leitender Redakteur bei Axel Springer tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin, schloss ein Volontariat bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung in Potsdam ab und promovierte anschließend an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Technischen Universität Dortmund. Seine Arbeitsschwerpunkte: Die Medien im NS-Regime ...