Grundlagenwissen für den Umgang mit Zeitdaten in der Kommunikationswissenschaft

Pressemitteilung vom 30. Juli 2019

Grundlagenwissen für den Umgang mit Zeitdaten in der Kommunikationswissenschaft

Die Aggregation von Daten ist ein in der Agenda-Setting-Forschung häufig angewendetes Verfahren, dessen Effekte, wie die Gefahr des ökologischen Fehlschlusses von Kollektivmerkmalen auf Individualmerkmale, hinreichend bekannt sind. Eine systematische Verdichtung von Daten kann sich immer auf die Interpretation der Ergebnisse auswirken, da diese durch die Aggregation über- oder unterschätzt werden. 

Die Zeit als Konstrukt ist zudem in theoretischer Hinsicht mehrfach definiert: wissenschaftlich, soziokulturell und individuell. Jedes einzelne Konstrukt des Begriffes beinhaltet ein eigenes Verständnis, was sich wiederum auf die Konzeption von Studien und die Analyse von Daten auswirken kann. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Daten in einem Wochenaggregat untersucht werden, ohne die Konstruktion der Woche zu erläutern, die in manchen Ländern montags beginnt und in anderen sonntags.

In ihrer Untersuchung Die Aggregation und Analyse von Zeitdaten im Agenda-Setting-Ansatz analysiert die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Sarah Kohler die unterschiedlichen Konstrukte mit Fokus auf die Kommunikationswissenschaft im Allgemeinen und die Wirkungsforschung im Besonderen und prüft, inwiefern durch die Aggregation von zeitbezogenen Daten und der damit einhergehenden Informationsverdichtung Effekte vermindert oder verschärft werden können und wie sich die Aggregation auf die Analyse von Agenda Setting auswirkt.
Im Gegensatz zu den klassischen Agenda-Setting-Studien werden jedoch keine Wirkungszusammenhänge der Medien- und Publikumsagenda auf inhaltlicher Ebene interpretiert, sondern vielmehr Grundlagenwissen für den Umgang mit Zeitdaten generiert und Denkanstöße für andere Theorien und Ansätze in der Kommunikationswissenschaft, die sich mit Prozessen und der Zeit als Variable auseinandersetzen, geliefert.

Somit sind die Forschungsergebnisse sowohl für KommunikationswissenschaftlerInnen sowie methodisch und empirisch interessierte SozialwissenschaftlerInnen, als auch für PraktikerInnen in der Meinungsforschung relevant.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Sarah Kohler

Sarah Kohler, Dr. phil., studierte an der Universität Münster Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Strategische Kommunikation. Sie promovierte dort zum Thema der Aggregation von Zeitdaten. Nach einer beruflichen Station als Senior Scientist an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt in Österreich arbeitet sie nun am Karlsruher Institut für Technologie in der Abteilung Wissenschaftskommunikation. Ihre Forschungsinteressen sind Rezeptions- und Wirkungsforschung, empirische Methoden der Sozialwissenschaft und Wissenschaftskommunikation. ...