Fluchtberichterstattung zwischen journalistischem Anspruch und Medienrealität

Pressemitteilung vom 14. Juni 2019

Fluchtberichterstattung zwischen journalistischem Anspruch und Medienrealität

2015 sorgten Hunderttausende geflüchtete Menschen in den deutschen Zeitungen für Schlagzeilen und machten Flucht einmal mehr zum Thema der Kommunikationswissenschaft. Wurde über Geflüchtete zuvor gar nicht oder wenn, dann oft negativ berichtet, stellt sich im Kontext der viel beschworenen „Willkommenskultur“ eine neue Frage an den Journalismus: Gibt es neben der ereigniszentrierten Politikberichterstattung andere, wirtschafts- und kulturjournalistische, Perspektiven auf das Thema Flucht und wenn ja, welche?

Die Antwort auf diese Frage wird in Von “Wirtschaftsflüchtlingen” und “Willkommenskultur”. Fluchtberichterstattung abseits des Politikressorts mithilfe einer quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse beantwortet. Die Autorin Jutta Brennauer untersuchte dafür zwischen 2015 und 2016 rund 300 Zeitungsartikel im Wirtschafts- und Kulturressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Grundlage bildet eine umfassende Literatursichtung bisheriger Befunde, die den normativen Ansprüchen des Friedensjournalismus gegenübergestellt werden. Während Geflüchtete im Wirtschaftsressort tendenziell als Belastung beschrieben werden und sich die Berichterstattung auf eine deutsche wirtschafts-, sozial- und innenpolitische Krise bezieht, lässt das Kulturressort mehr Raum für eine empathische Berichterstattung, in der die humanitäre Dimension im Vordergrund steht. In beiden Ressorts wird jedoch mehr über Geflüchtete als mit Geflüchteten gesprochen, Fluchtursachen werden nur oberflächlich thematisiert und Lösungsansätze selten diskutiert.

Von “Wirtschaftsflüchtlingen” und “Willkommenskultur” ist eine Studie über Fluchtberichterstattung abseits des Politikressorts, zwischen journalistischem Anspruch und Realität.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Jutta Brennauer

Jutta Brennauer, geboren am 13.3.1991, studierte Medienkommunikation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie Medien und Politische Kommunikation an der Freien Universität Berlin und an der Universität Helsinki. Während ihres Studiums arbeitete sie in mehreren, auch internationalen, Forschungsprojekten, unter anderem am Institut Mensch-Computer-Medien der Universität Würzburg im Arbeitsbereich Medien- und Wirtschaftskommunikation, als Codiererin und Medienanalystin bei Landau Media und am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin im Arbeitsbereich Internationale Kommunikation. Aktuell gestaltet sie das Kulturprogramm des Goethe-Instituts Berlin. Ihre ...