Fluchtberichterstattung heute: Zwischen journalistischem Anspruch und Medienrealität

Vortrag von Jutta Brennauer sowie anschließende Podiumsdiskussion mit der Journalistin Sheila Mysorekar am 18. Juni um 19 Uhr

Fluchtberichterstattung heute: Zwischen journalistischem Anspruch und Medienrealität

2015 kamen Hunderttausende geflüchtete Menschen nach Deutschland und sorgten so in den deutschen Zeitungen für Schlagzeilen, die über die ereigniszentrierte Politikberichterstattung hinausgingen. Die viel beschworene „Willkommenskultur“ wirft eine neue Frage an den Journalismus auf: Gibt es auch andere, wirtschafts- und kulturjournalistische Perspektiven auf das Thema Flucht und wenn ja, welche?

Jutta Brennauer hat diese Frage kommunikationswissenschaftlich bearbeitet. In einem Impulsvortrag wird sie erläutern, wie Geflüchtete im Wirtschaftsressort tendenziell als Belastung beschrieben werden und sich die Berichterstattung auf eine deutsche wirtschafts-, sozial- und innenpolitische Krise bezieht – während das Kulturressort mehr Raum für eine empathische Berichterstattung lässt, in der die humanitäre Dimension im Vordergrund steht. In beiden Ressorts wird jedoch mehr über Geflüchtete als mit Geflüchteten gesprochen, Fluchtursachen werden nur oberflächlich thematisiert und Lösungsansätze selten diskutiert.

Im Anschluss an ihren Vortrag wird Jutta Brennauer im Gespräch mit der Journalistin Sheila Mysorekar das Thema Humanitätsjournalismus nochmals intensiver beleuchten. Was sind die Kritikpunkte und gibt es auch positive Entwicklungen? Es werden die Defizite der aktuellen Fluchtberichterstattung als typische Defizite der Migrationsberichterstattung besprochen. Dabei werden auch die Chancen, Herausforderungen und Limitierungen eines konfliktsensitiven Journalismus erläutert. Die Diskussion wird Herbert von Halem moderieren.

Das Buch von Jutta Brennauer Von “Wirtschaftsflüchtlingen” und “Willkommenskultur”. Fluchtberichterstattung abseits des Politikressorts erscheint im Juni im Herbert von Halem Verlag.

Fluchtberichterstattung heute: Zwischen journalistischem Anspruch und Medienrealität
am 18. Juni 2019 um 19:00 Uhr
im Herbert von Halem Verlag, Schanzenstr. 22, 51063 Köln

Einlass ab 18:30 Uhr. Da die Zahl der Sitzplätze begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per E-Mail an anmeldung@koelner-mediengespraeche.de oder unter der Nummer +49 221 92 58 29 0. Der Eintritt ist frei.

VORTRAGENDE / DISKUTANTEN

Jutta Brennauer

Jutta Brennauer, geboren am 13.3.1991, studierte Medienkommunikation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie Medien und Politische Kommunikation an der Freien Universität Berlin und an der Universität Helsinki. Während ihres Studiums arbeitete sie in mehreren, auch internationalen, Forschungsprojekten, unter anderem am Institut Mensch-Computer-Medien der Universität Würzburg im Arbeitsbereich Medien- und Wirtschaftskommunikation, als Codiererin und Medienanalystin bei Landau Media und am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin im Arbeitsbereich Internationale Kommunikation. Aktuell gestaltet sie das Kulturprogramm des Goethe-Instituts Berlin. Ihre Interessensschwerpunkte sind internationale Kommunikation und Auslandsberichterstattung, Darstellung von Flucht, Migration und Minderheiten in den Medien, Gender Media Studies und Postcolonial Studies. ...


Sheila Mysorekar

Sheila Mysorekar ist Vorsitzende des Vereins „Neue deutsche Medienmacher“, einer Organisation von Journalisten/-innen und Medienmacher/-innen mit und ohne Migrationsgeschichte. Sie ist indodeutsche Rheinländerin und lebt in Köln. Ihr Studium absolvierte sie in Köln und London und arbeitete als Journalistin (Politik/Wirtschaft), u.a. in Jamaika, Indien, den USA und vielen Ländern Lateinamerikas, darunter elf Jahre als freie Korrespondentin für die ARD in Argentinien. Sie arbeitet als Beraterin für konfliktsensiblen Journalismus und Medien in Post-Konflikt-Staaten bei der Deutschen Welle Akademie und trainiert Journalisten in Konfliktländern, unter anderem in Libyen und dem Südsudan. ...